Probiotika

Darmkeime zur Blutdrucksenkung

Die Meinung über Probiotika ist geteilt: Die einen schwören auf sie, die anderen halten sie für überflüssig. Eine Studienübersicht kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass probiotische Produkte den Blutdruck moderat senken.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen wie Bifido- oder Laktobakterien.

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen wie Bifido- oder Laktobakterien.

© nyul / fotolia.com

GOLD COAST. Probiotika sind Produkte oder Nahrungsmittel, die lebende Mikroorganismen wie Bifido- oder Laktobakterien enthalten. Diese Mikroorganismen kommen etwa in Milchprodukten wie Joghurt, Buttermilch oder Kefir vor.

Hersteller von Lebensmitteln versetzen diese auch extra mit bestimmten Bakterienstämmen, die den Produkten dann eine spezielle gesundheitsförderliche Wirkung verleihen sollen (functional food). Es gibt die Mikroorganismen auch als Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform.

Probiotika sollen gut für die Gesundheit sein und beispielsweise Darmerkrankungen günstig beeinflussen und das Immunsystem stärken, was wiederum Allergien oder sogar Krebserkrankungen vorbeugen könnte.

Eine Forschergruppe um Dr. Jing Sun von der Griffith University im australischen Gold Coast (Queensland) bescheinigt Probiotika nun auch eine moderate blutdrucksenkende Wirkung.

Als wissenschaftliche Beglaubigung präsentieren sie eine Metaanalyse, deren Ergebnisse die kardiologische Fachgesellschaft American Heart Association (AHA) in ihrem ehrwürdigen Fachblatt "Hypertension" publiziert hat (Hypertension 2014; online 21. Juli).

Basis der Analyse bilden neun randomisierte kontrollierte Studien, von denen sieben im Doppelblind-Design angelegt waren. Insgesamt 543 Probanden hatten daran teilgenommen. Als probiotische Produkte wurden in vier Studien Joghurt, in zwei Studien fermentierte Milchprodukte oder Sauermilch und in drei Studien entweder Probiotika-Supplements in Kapselform, Hagebuttengetränke oder probiotischer Käse verwendet.

Moderate Senkung des Blutdrucks

Die Studiendauer betrug drei bis maximal neun Wochen, die tägliche "Gesamtdosis" der aufgenommenen Mikroorganismen schwankte zwischen 109 und 1012 koloniebildenden Einheiten (colony-forming units, CFU).

In allen Studien wurden auch Veränderungen des Blutdrucks registriert. In der Gesamtschau aller neun Studien hatte der Probiotika-Konsum im Schnitt eine signifikante Abnahme der systolischen Blutdruckwerte um 3,56 mmHg und der diastolischen Werte um 2,38 mmHg zur Folge. Auch wenn die Blutdrucksenkung damit relativ moderat ist, könnte sie nach Ansicht der Autoren prognostisch positiv ins Gewicht fallen.

Die Reduktion war größer, wenn die Produkte mehrere Probiotika-Spezies statt nur einer enthielt. Die Senkung des diastolischen Blutdrucks war zudem stärker, wenn der Ausgangsblutdruck höher als 135/85 mmHg war.

Auch wenn sich keine klare "Dosis-Wirkung"-Beziehung abzeichnete, bedurfte es gleichwohl einer täglichen "Dosis" von mindestens 1011 CFU, um einen signifikanten Effekt zu erzielen.

Welchen Mechanismen verdankt sich die leichte Blutdrucksenkung? Die Autoren der aktuellen Metaanalyse verweisen unter anderem auf Ergebnisse einer 2011 publizierten Metaanalyse, wonach Probiotika auch Plasmalipide wie LDL-Cholesterin günstig beeinflussen. Auch für ACE-Hemmern ähnliche Effekte von Probiotika auf das Renin-Angiotensin-System gebe es Anhaltspunkte in Studien.

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nationale Branchenkonferenz in Rostock

Lauterbach: Klinikreform wird „ein Segen“ für Mecklenburg-Vorpommern

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln