Cholesterinquelle eliminieren?

Der Streit um das Gelbe vom Ei

Beim Hühnerei steckt bekanntlich nur im Eigelb das Cholesterin. Lohnt es sich also, auf das Eigelb zu verzichten oder auf Ersatzprodukte umzusteigen? In einer Studie wurde jetzt untersucht, wie sich ein solches Ernährungsverhalten auf die Lebensdauer auswirkt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Nicht das Gelbe vom Ei? Da ein Ei etwa 186 mg Cholesterin enthält, wird dieses Produkt aus Sorge um Herz und Gefäße oft gemieden.

Nicht das Gelbe vom Ei? Da ein Ei etwa 186 mg Cholesterin enthält, wird dieses Produkt aus Sorge um Herz und Gefäße oft gemieden.

© Thomas Francois/stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Welcher Zusammenhang besteht zwischen Eierverzehr beziehungsweise der Cholesterinaufnahme und der Mortalität in den USA?
  • Antwort: In der NIH-AARP-Studie ergab sich eine positive Assoziation zwischen Eierverzehr beziehungsweise Cholesterinzufuhr und Gesamtsterblichkeit sowie krankheitsspezifischen Mortalitätsraten. Die Zufuhr von Eiweiß oder Ersatzprodukten zeigte dagegen einen inversen Zusammenhang mit der Mortalität.
  • Bedeutung: Die aktuellen Ernährungsempfehlungen in den USA könnten die Bemühungen für ein möglichst langes, gesundes Leben konterkarieren. Die Studienautoren empfehlen, den Begriff „ganze Eier“ durch „Eiweiß“ oder den Hinweis auf alternative Proteinquellen in den Ernährungsleitlinien zu ersetzen.
  • Einschränkung: Die Daten zum Eierverzehr und der Cholesterinzufuhr wurden per Fragebogen und nur einmal zu Beginn der Studie erhoben.

Hangzhou. Eier werden von den US-amerikanischen Ernährungsleitlinien 2015–2020 als Teil einer gesunden Ernährung ohne Obergrenze für die Cholesterinzufuhr empfohlen. Da ein Ei aber etwa 186 mg Cholesterin enthält, wird dieses Produkt aus Sorge um Herz und Gefäße oft gemieden. Ob der Verzehr von Eiern und die Zufuhr von Cholesterin Herz und Gefäßen aber tatsächlich schaden und das Leben verkürzen, steht nach wie vor in der Diskussion.

Pan Zhuang von der Zhejlang Universität in Hangzhou und Kollegen haben in der NIH-AARP-Studie nun zunächst untersucht, inwieweit die Ernährung die Mortalität in der US-Bevölkerung beeinflusst (PLoS Med 2021; online 9. Februar). Hierzu schlossen sie zwischen 1995 und 1996 insgesamt 521.120 Teilnehmer aus sechs Staaten und zwei Städten der USA in die Studie ein und beobachteten die Teilnehmer bis Ende 2011.

Mittels Fragebogen berichteten diese über ihre Ernährungsgewohnheiten. So wurden sie etwa nach der Zahl der verzehrten Eier pro Tag und deren Zubereitung gefragt und ob sie das Ei als Ganzes verspeisten, nur das Eiweiß oder ob sie stattdessen cholesterinfreie Eiersatzprodukte zu sich nahmen.

Nur noch „entkernte“ Eier zum Frühstück?

Die Studienteilnehmer nahmen pro Tag median 8 g/2000 kcal Ei und 208 mg/2000 kcal Cholesterin zu sich. Während der Beobachtungszeit von median 16 Jahren waren 129.328 der anfangs durchschnittlich 62-Jährigen gestorben, 38.747 Studienteilnehmer von ihnen an einer kardiovaskulären Erkrankung.

Die Analyse von Zhuang und Kollegen ergab einen positiven Zusammenhang zwischen Gesamtei- beziehungsweise Cholesterinzufuhr und der Gesamt-, der kardiovaskulären und der krebsbedingten Mortalität. In der multivariablen Analyse stiegen diese Quoten pro tägliche Zufuhr eines halben kompletten Eies aus Eiweiß und Dotter jeweils um sieben Prozent.

Jede zusätzliche Aufnahme von 300 mg Cholesterin pro Tag steigerte das allgemeine Sterberisiko um 19 Prozent, das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko um 16 Prozent und das Risiko, an einer Krebserkrankung zu sterben, um 24 Prozent. Von den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Eierverzehr wurden dem Cholesterin, Schätzungen zufolge, 63,2 beziehungsweise 62,3 beziehungsweise 49,6 Prozent zugeschrieben.

Hören Sie zum Thema

Besser zu Eiweiß oder Ersatzstoffen greifen!

Einen Überlebensvorteil hatten Studienteilnehmer, die nur Eiweiß oder Proteinersatzprodukte zu sich nahmen, gegenüber denen, die dies nicht taten. Auf der Basis ihrer Ergebnisse kommen Zhuang und Kollegen zu folgender Einschätzung: Wurde ein halbes komplettes Ei (25 g/Tag) durch eine äquivalente Menge Eiweiß oder Ersatzstoffe beziehungsweise Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Nüsse oder Gemüse ersetzt, war dies mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit sowie einer Verringerung der krankheitsspezifischen Mortalität aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen assoziiert.

Die Studienautoren schlagen deshalb vor, mit Blick auf ein möglichst langes Leben das Eigelb wegzulassen oder zu Substituenten oder anderen Proteinquellen zu greifen.

Mehr zum Thema

Computertomographie mit Photon-Counting-Detektor

Innovative CT verbessert Beurteilung der koronaren Herzkrankheit

Diagnostik- und Therapieempfehlungen

Schweres Gepäck bei Oberflächenthrombosen

Das könnte Sie auch interessieren
Einem stabilen Herzrhythmus auf der Spur

© Gruzdaitis / Fotolia

Herzrhythmusstörungen

Einem stabilen Herzrhythmus auf der Spur

Kooperation | In Kooperation mit: Trommsdorff GmbH & Co. KG
Elektrolyte und ihre Funktion im kardialen Stoffwechsel

© [M] 7activestudio / stock.adobe.com

Kalium und Magnesium

Elektrolyte und ihre Funktion im kardialen Stoffwechsel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Trommsdorff GmbH & Co. KG
Darum ist ein ausgeglichener Kalium-Magnesium-Haushalt wichtig

© Predel | Rolf Schulten | Rolf Schulten

Video-Statements

Darum ist ein ausgeglichener Kalium-Magnesium-Haushalt wichtig

Kooperation | In Kooperation mit: Trommsdorff GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Krankenhausreformen

Showdown im Vermittlungsausschuss zu Lauterbachs Transparenzgesetz

Freitag Abstimmung im Bundestag

Gesundheitsausschuss stimmt Cannabis-Freigabe zu

Diagnostik- und Therapieempfehlungen

Schweres Gepäck bei Oberflächenthrombosen

Lesetipps
Mit ihren Erfahrungen seien Krebspatienten als gleichwertige Partner in der Forschung anzusehen, sie seien deshalb in diese mit einzubeziehen, forderte Kongresspräsident Professor Reinhard Büttner bei der Eröffnung des DKK 2024.

© Peter-Paul Weiler

Eröffnung des DKK 2024

Appell beim Krebskongress: Patienten stärker in die Forschung einbeziehen!

Kooperation | In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Während der Eröffnungspressekonferenz zum DKK 2024 sprachen PD Dr. Yuri Tolkach (v.l.), Prof. Reinhard Büttner, Bärbel Söhlke, Prof. Michael Ghadimi und Gerd Nettekoven zu dem Motto „Fortschritt gemeinsam gestalten“. 

© Peter-Paul Weiler

Neues aus der Krebsversorgung

Pathologe Tolkach: „Wir werden mit KI-Algorithmen präziser und objektiver“

Kooperation | In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
 Auf therapeutischer Seite lohnt der Blick in Richtung Mikrobiom deswegen, weil es Einfluss nehmen kann auf die Effektivität bzw. die Toxizität einer Krebstherapie.

© © maxrosoftig / stock.adobe.com

Einfluss von Bakterien & Co

Mikrobiom und Krebs – viel Hoffnung, noch mehr Fragezeichen

Kooperation | In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe