Aktuelle Untersuchung

Deutliche Lücken beim Grippeschutz von chronisch Kranken

Nur wenige chronisch Kranke werden bisher gegen Influenza geimpft, so eine Versorgungsatlas-Studie. Experten sprechen sich für prioritären Schutz dieser Risikogruppe aus.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht: 24.09.2020, 14:50 Uhr
Noch eine große Baustelle: der systematische Grippeschutz für Patienten mit einer chronischen Erkrankung.

Noch eine große Baustelle: der systematische Grippeschutz für Patienten mit einer chronischen Erkrankung.

© iQoncept / stock.adobe.com

Berlin. Eine gute Vorbereitung auf eine Grippewelle ist dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie für Risikogruppen und Menschen in medizinischen Berufen besonders wichtig. Vor allem bei alten Menschen und chronisch Kranken überlappen sich die Gefahren: Sie haben ein hohes Risiko für schwere Verläufe bei Influenza und auch bei COVID-19.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass erheblicher Aufwand nötig ist, um hier die Durchimpfung zu verbessern. „Die Influenza-Impfquoten bei chronisch kranken Personen sind historisch auf einem niedrigen Niveau und von der innerhalb der Europäischen Union definierten Zielquote von 75 Prozent weit entfernt“, beurteilt jetzt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die Situation.

Angestrebte Impfquoten werden verfehlt

Das Institut hat in einer Studie die „Inanspruchnahme von Influenzaimpfungen bei chronisch kranken Personen im vertragsärztlichen Sektor“ in den Jahren 2009 bis 2018 analysiert. Danach hatten 2017 über 28 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland mindestens eine chronische Erkrankung, bei der zur Influenza-Impfung geraten wird. Die Impfquoten variierten dabei erheblich – je nach Erkrankung zwischen 19 Prozent bei Patienten mit Multipler Sklerose und 44 Prozent bei Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten. Damit werden die angestrebten Impfquoten verfehlt.

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Auch zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern bestehen weiterhin zum Teil deutliche Unterschiede, berichtet das Zi in der Mitteilung zur Studie. So wurden 2017 Diabetiker im Osten mit 55 Prozent deutlich häufiger geimpft als im Westen mit 31 Prozent. In Berlin lag die Impfquote bei Diabetikern mit 46 Prozent zwischen den mittleren Werten im Osten und Westen.

Ähnliche Ost-West-Unterschiede sind bei allen anderen chronischen Erkrankungen mit Ausnahme von Patienten mit HIV/AIDS zu beobachten. Ein Grund dafür könnte die historisch belegte bessere Impfakzeptanz im Osten sein, vermutet das Zi.

Angesichts der zu erwartenden Engpässe sollte Individualschutz für Risikopatienten Priorität haben.

Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi

Aktuell ist mit 25 Millionen Dosen zwar deutlich mehr Impfstoff verfügbar als in den vergangenen Jahren, aber doch viel weniger, um alle Menschen mit Impfindikation zu schützen. „Angesichts der zu erwartenden Engpässe beim Grippeimpfstoff ist ein Fokus auf Patienten mit chronischen Erkrankungen angezeigt“, betont der Zi-Vorstandsvorsitzende, Dr. Dominik von Stillfried, in der Mitteilung.

Zusätzliche Impfdosen in signifikantem Ausmaß können nämlich laut STIKO-Angaben nicht nachbestellt werden. Der Grippeimpfstoff für diese Saison ist bereits produziert. „Individualschutz für Risikopatienten sollte Priorität haben“, so Stillfried.

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