Onkologie

Deutschland ist Nachzügler bei minimalinvasiven Op

Bei minimalinvasiven Krebs-Op hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Die Chirurgen rühren nun die Werbetrommel für die schonenderen Eingriffe.

Von Thorsten Schüller Veröffentlicht: 30.03.2019, 13:18 Uhr

MÜNCHEN. Minimalinvasive Krebsoperationen sind sicher und werden immer häufiger durchgeführt. Dennoch hinkt Deutschland bei derartigen vergleichsweise schonenden Eingriffen im internationalen Vergleich hinter anderen europäischen Ländern und den USA hinterher.

Das sagte Professor Matthias Anthuber, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), im Vorfeld des diesjährigen DGCH-Kongresses, der vom 26. bis 29. März in München stattgefunden hat. Als Grund für die Zurückhaltung verwies er auf eine noch weit verbreitete Skepsis gegenüber minimalinvasiven Eingriffen bei Tumorerkrankungen.

Dabei würden immer mehr Studien belegen, dass minimalinvasive Operationen auch bei bösartigen Erkrankungen einerseits zu besseren Ergebnissen führen als offene Eingriffe, was den frühen Verlauf nach der Operation betreffe.

Andererseits würden auch keine Nachteile beim Langzeitüberleben beobachtet. „Voraussetzung ist ausreichend Erfahrung mit dieser Technik“, sagte Anthuber.

Darmkrebs oft minimalinvasiv operiert

Am häufigsten wird nach seinen Worten Darmkrebs minimalinvasiv operiert. Während die Operation früher eine lange Wunde hinterließ, werde der vom Krebs befallene Darmabschnitt heute über drei oder vier kleine Hautschnitte entfernt. Darmkrebs gehört bekanntlich zu den häufigsten Krebserkrankungen, jährlich stellen die Ärzte in Deutschland bis zu 55.000 neue Diagnosen.

„Eine minimalinvasive Operation ist für den Patienten weniger schmerzhaft, das Risiko von Wundinfektionen, Lungenentzündung und Narbenbrüchen ist geringer“, erinnert Anthuber, der als Chefarzt am Klinikum Augsburg tätig ist.

Je nach Art des Eingriffs könnten Patienten das Krankenhaus innerhalb weniger Tage verlassen und schneller ihre normalen Tätigkeiten wieder aufnehmen als Patienten, die sich von einer offenen Operation erholen müssen.

Neben dem Kolon werden Krebsoperationen laut Anthuber auch am Rektum, am Magen, der Leber und am Ösophagus minimalinvasiv vorgenommen: „Wir rechnen mit einem Anstieg der minimalinvasiven OP-Techniken bei Lebermetastasen um bis zu 20 Prozent.“

Erfahrung des Chirurgen mitentscheidend

Entscheidend für den Operationserfolg ist Anthuber zu Folge die technische Expertise und die Erfahrung des Chirurgen. „Die Grundlagen der minimalinvasiven Krebsoperationen weichen dabei nicht vom Vorgehen bei einer offenen Operation ab“.

„Die Tumore müssen als Ganzes und das dazu gehörende Lymphabstromgebiet vollständig entfernt werden. Es darf kein Abweichen von chirurgischen Standards geben.“

Eine Weiterentwicklung in der minimalinvasiven Chirurgie sieht Anthuber im vermehrten Einsatz von Robotern. Auch dafür sei ein umfassendes Know-how notwendig. Daher dürfte diese Technologie nach seiner Einschätzung nicht an jedem Krankenhaus eingesetzt werden.

Lesen Sie dazu auch: Chirurgen: Operationen bei 80-Jährigen nicht mehr so risikoreich

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