Schlechtere Prognose

Diabetes fördert Nierenversagen bei COVID-19

COVID-19-Patienten, die eine Krankenhausbehandlung benötigen, haben ein hohes Risiko für ein akutes Nierenversagen. Das gilt vor allem für Diabetiker und Menschen mit kardiovaskuläre Vorerkrankungen.

Veröffentlicht: 04.11.2020, 08:33 Uhr
Das Risiko für ein Nierenversagen wird einer Studie zufolge bei COVID-19-Patienten durch einen bestehenden Diabetes um das 1,76-Fache erhöht.

Das Risiko für ein Nierenversagen wird einer Studie zufolge bei COVID-19-Patienten durch einen bestehenden Diabetes um das 1,76-Fache erhöht.

© Crystal light / stock.adobe.com

Great Neck. Forscher der Zucker School of Medicine im US-Staat New York haben retrospektiv die Daten von 5449 COVID-19-Patienten ausgewertet, die zwischen Anfang März und Anfang April in 13 New Yorker Krankenhäusern behandelt worden waren (Clin Invest 2020; 98:209).

56 Prozent waren Hypertoniker, 33 Prozent Diabetiker und 27 Prozent adipös. 37 Prozent entwickelten ein akutes Nierenversagen, etwa ein Drittel davon eine schwere Form mit mindestens dreifachem Kreatininanstieg binnen sieben Tagen oder einer Dialysepflicht, die 14 Prozent betraf.

Um 1,76-fach erhöhtes Risiko für Nierenversagen bei Diabetikern

Im Gesamtkollektiv musste gut jeder fünfte Patient beatmet werden. Von den beatmeten Patienten hatten knapp 90 Prozent ein akutes Nierenversagen, bei den nicht beatmeten Patienten waren es nur 22 Prozent. Von den dialysepflichtigen Patienten wurden 97 Prozent beatmet.

Diabetes erhöhte das Risiko für ein Nierenversagen um das 1,76-Fache, kardiovaskuläre Vorerkrankungen um das 1,48-Fache und Hypertonie um das 1,26-Fache. ACE-Hemmer oder AT1-Blocker hatten keinen negativen Einfluss. Von den Patienten mit Nierenversagen starben bis zum Beobachtungsende 35 Prozent, im Gesamtkollektiv 16 Prozent.

37 Prozent erlitten akutes Nierenversagen

In einem Kommentar schreibt Professor Emanuel Fritschka, Internist aus Bad Brückenau, dazu im Fachblatt „MMW Fortschritte der Medizin“ (2020; 162 (18):31): „COVID-19 ist primär eine respiratorische Erkrankung, aber andere Organe inklusive der Nieren sind oft mitbetroffen. Die Studie unterstreicht den engen Zusammenhang zwischen respiratorischer Insuffizienz und akutem Nierenversagen. Immerhin 37 Prozent der hospitalisierten COVID-19-Patienten erlitten ein akutes Nierenversagen, und dies verschlechterte die Prognose deutlich. Vor allem bei Diabetes und bei kardiovaskulären Vorerkrankungen ist das Risiko für ein Nierenversagen erhöht.“ (eis)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Hartwig Raeder

Das war ja wohl zu erwarten. Covid ist eine Lungenkrankheit. Jede Lungenkrankheit verkleinert die pulmonale Ventilation. Nach Euler-Liljestrand verringert sich die pulmonale Perfusion, also das Lungenzeitvolumen. Das Lungenzeitvolumen ist mit dem Herzzeitvolumen identisch. Die renale Perfusion und damit auch die glomeruläre Filtration werden kleiner. Die Konzentration der harnpflichtigen Stoffe im Plasma steigt an. Quod erat demonstrandum.


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