Neuro-psychiatrische Krankheiten

Dopamin-Agonist lindert RLS binnen einer Woche

HAMBURG (awa). Für Patienten mit mittelschwerem und schwerem Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist Pramipexol seit einigen Monaten eine Option. Der Dopamin-Agonist linderte die Beschwerden in Studien deutlich, kann schnell aufdosiert werden und bessert den Schlaf.

Veröffentlicht:

Je nach Schweregrad des RLS werde mit L-Dopa, Dopamin-Agonisten oder Opiaten behandelt, hat Privatdozentin Ilonka Eisensehr aus München berichtet. Der Schweregrad von RLS wird nach der Internationalen RLS-Skala (IRLS) beurteilt, die von 0 bis 40 Punkte (schwerstes RLS) reicht.

L-Dopa sei gut anwendbar bei leichtem RLS sowie als Bedarfsmedikament für Situationen wie Langstreckenflüge, in denen sich die Symptome verstärken. Das sagte die niedergelassene Neurologin auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim in Hamburg. Ein schnell wirksames L-Dopa kann auch als Test für idiopathisches RLS gewählt werden.

Wird die Substanz täglich und in hohen Dosierungen eingenommen, sind Komplikationen möglich: Die Symptome können sich verstärken und auch tagsüber auftreten. Bis zu 82 Prozent der RLS-Patienten bekommen nach längerer Therapie mit L-Dopa dieses als Augmentation bezeichnete Phänomen, wie Eisensehr sagte. Auch mit Opiaten, die besonders bei schwerem RLS und zusätzlichem Schmerzsyndrom verwendet werden, kann eine Augmentation auftreten.

    Die Unruhe in den Beinen ließ auch auf lange Dauer nach.
   

Dopamin-Agonisten seien Mittel der Wahl bei mittelschwerem und schwerem RLS. Seit dem Frühjahr ist der aus der Parkinson-Therapie bereits bekannte non-ergoline Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®) auch bei RLS zugelassen. Meist reiche eine Dosis von 0,088 bis 0,54 mg pro Tag.

Die Arznei könne schnell aufdosiert werden, und zwar in Schritten mit jeweils 0,088 mg Steigerung alle vier Tage, so Eisensehr. Eventuell auftretende Übelkeit beim Aufdosieren könne mit Domperidon verhindert werden. Metoclopramid eigne sich dafür nicht, da es RLS verstärken kann.

In Studien gingen die RLS-Symptome mit Pramipexol innerhalb einer Woche deutlich zurück. Innerhalb von drei Wochen sank der IRLS-Wert mit Pramipexol im Vergleich zu Placebo signifikant (minus 15,1 versus minus 5,9 Punkte). Auch nach zwölf Wochen blieb ein signifikanter Unterschied erhalten: Der IRLS-Ausgangswert verringerte sich von 23,4 auf 9,4 Punkte mit Pramipexol und von 23,5 auf 14,1 Punkte mit Placebo.

Plötzliche Einschlafattacken müssen bei RLS mit Dopamin-Agonisten nicht befürchtet werden - anders als in der Parkinson-Therapie, wo die Dosierungen sehr viel höher sind. Beim RLS vermindert eine erfolgreiche dopaminerge Therapie im Gegenteil das Risiko für Einschlafattacken, da die Patienten nachts besser schlafen können.



STICHWORT

Prävalenz des RLS

Nach einer Studie mit über 15 300 Personen aus den USA und fünf europäischen Ländern haben sieben Prozent der Bevölkerung ein RLS - neun Prozent der Frauen und 5,4 Prozent der Männer. Bei drei Prozent sind die Beschwerden so stark, daß sie behandelt werden müssen (Arch Intern Med 165, 2005, 1286). Von den behandlungsbedürftigen Patienten hatten zwar die meisten zuvor mit ihren Ärzten gesprochen, aber nur bei etwa sechs Prozent war ein RLS erkannt worden. (awa)

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die Privatliquidation, aber auch Recall-Tätigkeiten können MFA durchaus im Homeoffice erledigen.

Exklusiv Corona-Prävention

Homeoffice für MFA und ZFA? Ärzte sind skeptisch

Die Genanalytik von SARS-CoV-2 soll nun auch in Deutschland vorangetrieben werden. Dabei können auch spezifische PCR-Verfahren genutzt werden.

Gastbeitrag zur SARS-CoV-2-Testung

Wie mittels PCR-Tests Coronavirus-Mutationen entdeckt werden können