Interview mit der Stiftung LebensBlicke

Drei Fragen und drei Antworten zur Darmkrebsvorsorge

Trotz aller Bemühungen geht es in der Prävention von Darmkrebs nicht schnell genug voran. Und zu allem Überfluss gibt es weniger Vergütung für Koloskopien. Ein Unding, findet Darmkrebs-Experte Professor Jürgen Riemann von der Stiftung LebensBlicke.

Von Marco Mrusek Veröffentlicht: 02.03.2020, 17:20 Uhr
Drei Fragen und drei Antworten zur Darmkrebsvorsorge

Professor Jürgen Riemann von der Stiftung LebensBlicke (Mitte).

© Marco Mrusek

Ärzte Zeitung: Wie sind die Erfahrungen zum neuen Curriculum für Medizinische Fachangestellte zum Ansprechen der Patienten zur Darmkrebsvorsorge?

Professor Jürgen Riemann: Die Erfahrungen auf Hausärztefachtagungen sind bisher gut, auch von Gesundheitsminister Jens Spahn gab es Lob. Die Qualifizierung stellt vor allem auf dem Land eine Entlastung für die Hausärzte dar, deren Terminkalender dort ohnehin überfüllt ist.

Fortbildungsmöglichkeiten gibt es regelmäßig, Details sind auf der Webseite der Stiftung LebensBlicke zu finden. Als nächster Schritt ist dringend eine Evaluation vonnöten, damit mittelfristig auch eine Abrechnungsziffer geschaffen werden kann. Diese Evaluation auf den Weg zu bringen ist unsere nächste schwierige Aufgabe.

Die ärztliche Vergütung für die Koloskopie wurde um zehn Prozent verringert. Wirft man damit der Darmkrebs-Prävention damit einen Knüppel zwischen die Beine?

Das ist ein Hemmschuh sondergleichen. Es ist eine Contradictio in adiecto, also ein Widerspruch in sich, wenn gleichzeitig mit dem neuen Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz für mehr Teilnahme durch informierte Entscheidung geworben, auf der anderen Seite die Vorsorgeleistung abgewertet wird. Wer soll das noch verstehen!

Vorgesehen für die Koloskopie sind nun nur noch 18 Minuten, in die Beratung, Sedierung, Untersuchung und Besprechung der Ergebnisse passen muss. Das ist für den Arzt ohne Qualitätsverlust für den Patienten gar nicht zu schaffen. Diese Reduktion darüber zu kompensieren, dass Ärzte einfach mehr Koloskopien vornehmen sollen, die Koloskopie sozusagen im „Schnellgang“ vorzunehmen, kann nicht die Lösung sein!

Thema Stuhltest: Trotz einfacherer Anwendung als beim vorher genutzten gFOBT wird der neuere iFOBT nicht häufiger zur Vorsorge eingesetzt. Woran liegt das?

Beim gFOBT gab es noch das Problem, dass beim Konsum bestimmter tierischer Produkte der Test falsch positiv ausfiel. Das gibt es beim iFOBT nicht mehr. Außerdem muss man nur noch einen Test einschicken.

Trotzdem ist die Vorgehensweise beim Test für den Patienten insgesamt immer noch unangenehm, da er drei Arztbesuche erfordert. Man darf aber nicht vergessen, dass ein regelmäßig wiederholter iFOBT in einem Zeitraum von zehn Jahren dieselbe Sicherheit in der Darmkrebs-Vorsorge bietet wie eine Koloskopie!

Trotzdem: Beides bleibt für Patienten nicht angenehm. Die Zukunft liegt deshalb meiner Meinung nach bei Bluttests, die sich in der Entwicklung befinden und uns in einigen Jahren zur Verfügung stehen werden.

Da diese von mehr Patienten für die Vorsorge benutzt werden dürften, liegt die effektive Sensitivität, also die tatsächliche häufigere Entdeckung von Polypen durch den Test, höher als bei Stuhltests oder Koloskopien. Die Darmspiegelung liefert ja auch keine 100-prozentige-Sicherheit!

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