Direkt zum Inhaltsbereich

Sportmuffel-Kind oder nicht

Eltern und Freunde sind entscheidende Bewegungsvorbilder

Vorbilder sind besser als Vorhaltungen – das hat eine Studie auch für die Frage bestätigt, wie sich Kinder zu mehr Sport und Bewegung motivieren lassen.

Veröffentlicht:
Eltern sind beim Thema Sport ein wichtiger Einflussfaktor für Kinder.

Eltern sind beim Thema Sport ein wichtiger Einflussfaktor für Kinder.

© Kzenon / stock.adobe.com

Erlangen. Wer der entscheidende Motivator ist, ob und wie viel Kinder sich bewegen, ändert sich je nach Alter – und je nach Art der körperlichen Aktivität. Das hat eine Studie der Universität Erlangen ergeben (PLoS One 2019; online 30. Oktober). Zudem gab es für die Forscher eine kleine Überraschung: Bislang hatten Studien belegt, dass Jungs sich mehr bewegen als Mädchen. „Die Unterschiede scheinen sich zu nivellieren“, sagte Studienautorin Professor Anne Reimers der Nachrichtenagentur dpa.

Für die Studie hatten die Forscher Daten aus dem Motorikmodul einer Langzeit-Beobachtungsstudie ausgewertet, die federführend am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) betreut wird. Die Frage war, inwieweit Eltern, Geschwister oder Freunde einen Einfluss auf die Bewegungsfreude von Kindern und Jugendlichen haben. „Im Prinzip haben wir feststellen können, dass es Unterschiede gibt, je nachdem welche körperliche Aktivität man sich anschaut: Sport in der Schule, im Verein, außerhalb des Vereins oder beim Spielen draußen“, erläuterte Sportwissenschaftlerin Reimers.

So sei beim Spielen im Freien die Verfügbarkeit von Freunden sehr wichtig, beim Sporteln im Verein eher die Unterstützung der Eltern, die gerade jüngere Kinder hinbringen müssten, sich aber auch emotional für die sportlichen Erlebnisse ihrer Kinder interessieren sollten. Bei den Jugendlichen hingegen herrsche der Einfluss der Clique vor. „Da gibt es dann sozusagen Milieus. Wenn man in einer Peergroup ist, die inaktiv ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man selbst inaktiv bleibt oder wird“, schilderte Reimers.

Geschlechtsunterschiede sind weniger geworden

„Die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind in manchen Bereichen noch sichtbar, gerade bei den Jugendlichen ab elf Jahren was Sport im Verein anbelangt, aber es scheint so zu sein, dass diese Unterschiede nicht mehr so vorherrschen wie bisher.“

Auch die herkömmliche Theorie, dass Kinder sich in puncto Sport und Bewegung am Elternteil mit dem eigenen Geschlecht orientieren, kommt laut Reimers ins Wanken. „Das konnten wir so nicht feststellen. Es scheinen beide Geschlechter für die Kinder relevant zu sein, was aber vielleicht auch daran liegt, dass sich die Geschlechterrollen innerhalb der Familien verändern.“

Die Ergebnisse der Studie sollen nun helfen, Programme zu entwickeln beziehungsweise zu verbessern, die den Nachwuchs in Bewegung bringen. „Wenn es um die Frage der Intervention geht, ist es schon interessant, in welcher Altersgruppe welche Personen aus dem sozialen Umfeld relevant sind“, betonte Reimers. Dort könne man dann gezielt ansetzen, um beispielsweise Übergewicht vorzubeugen. (dpa)

Mehr zum Thema

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

© imran kadir photography | Getty Images

Impfskepsis in der Praxis

Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übersicht

Impfungen gegen Atemwegserreger: Das sind die aktuellen Empfehlungen

Lesetipps
Cannabis-Blatt

© yellowj / stock.adobe.com

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Thermostatisches Heizkörperventil, das die Raumtemperatur zur Energieeinsparung regelt.

© MPfoto71 / CHROMORANGE / picture alliance

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant