Empfindliche Arme bei Diabetes - da ist oft viel Diagnostik nötig

DÜSSELDORF (hbr). Jeder dritte Diabetiker hat eine Neuropathie. Distal-symmetrische diabetische Polyneuropathien (PNP) sind dabei am häufigsten. Aber auch bei Diabetes kann PNP andere Ursachen als die Stoffwechselerkrankung haben. Eine Differential-Diagnostik ist nötig.

Veröffentlicht:

Bei distal-symmetrischer PNP werden sensible Fasern ebenso geschädigt wie motorische, und es erkranken sowohl Typ-1- als auch Typ-2- Diabetiker daran, wie Professor Sebastian Jander von der Uniklinik Düsseldorf berichtet. Nach seinen Angaben entwickelt sich die PNP meist schleichend mit sockenförmig verteilten distalen Sensibilitätsstörungen.

Vor allem Kribbel-Parästhesien treten auf, ebenso schmerzhafte Dysästhesien wie das Burning-feet-Syndrom. Viele Patienten beschreiben auch meist nächtliche brennende Schmerzen an Füßen und Unterschenkeln. Oft geben sie auch ein Gefühl von geschwollenen Füßen an.

Frühzeichen von PNP sind ein verringertes Vibrationsempfinden und der Verlust des Achillessehnenreflexes. Die sensiblen Störungen überwiegen meist: "Betroffene können auch Zehenheberparesen oder andere distale Paresen entwickeln. Die sind aber klinisch meist im Hintergrund", so Jander bei einer Veranstaltung für DMP-Ärzte des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in Düsseldorf. Die Beschwerden bleiben normalerweise deutlich beinbetont.

Nicht jede distal-symmetrische PNP wird durch den Diabetes verursacht, andere Ursachen müssen daher ausgeschlossen werden. Das gelingt bei 80 Prozent der Patienten. Zweifel am diabetischen Ursprung bestehen bei ausgeprägten, vor allem proximalen Paresen, bei Beginn der Störungen an den Armen und bei schubförmigem Verlauf.

Differentialdiagnostisch ist zum Beispiel an Vitamin-B-12-Mangel zu denken, an Urämie oder an eine chronisch-inflammatorische demyelinisierende PNP (CIDP). Die Autoimmun-Erkrankung des peripheren Nervensystems ist zwar selten (Prävalenz: etwa 2 pro 100 000), sie scheint sich aber bei Diabetikern zu häufen, betont Jander. Unbehandelt führt die schubartig verlaufende Erkrankung schnell zu funktionellen Störungen.

Die Patienten bemerken anfangs etwa ein Kribbeln an den Zehen oder andere distal betonte sensible Reiz-erscheinungen. Relativ rasch folgen distal und proximal meist fortschreitende Paresen. Typisch ist etwa eine Schwäche von Hüftstrecker- oder Kniestrecker mit Problemen beim Treppensteigen.

Die Demyelinisierung läßt sich mit einer Elektroneurographie diagnostizieren. In der Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit ist die Eiweißkonzentration erhöht. Mit Steroiden, Immunglobulinen und Immunsuppressiva könnten CIDP-Patienten mit Erfolg behandelt werden, so Jander.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Komplikationen

Bei Diabetes mellitus auch die Knochen in den Blick nehmen

Retrospektive Kohortenstudie

Typ-2-Diabetes: Wohl geringeres Glaukomrisiko unter Tirzepatid

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert