Direkt zum Inhaltsbereich

Mögliche Gefahr für Landwirte

Erhöhen Pestizide das Hautkrebsrisiko?

Den Zusammenhang zwischen Pestiziden und schwarzem Hautkrebs haben Forscher in einer großen Metaanalyse untersucht. Dabei war das Melanomrisiko vor allem bei beruflicher Exposition gegenüber Herbiziden erhöht.

Von Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Schädlingsbekämpfung in einer Weinkultur.

Schädlingsbekämpfung in einer Weinkultur.

© Ewald Fröch / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Ist der Umgang mit Pestiziden mit einem erhöhten Risiko für ein Melanom verbunden?
  • Antwort: Zumindest im Hinblick auf Herbizide scheint eine Assoziation zu bestehen.
  • Bedeutung: Möglicherweise erhöhtes Risiko für Berufsgruppen, die professionell mit Herbiziden Kontakt haben.

Parma. Die Inzidenz des kutanen Melanoms ist in den letzten 50 Jahren weltweit deutlich gestiegen. Zwar geht man nach wie vor davon aus, dass UV-Strahlung einen der Hauptrisikofaktoren darstellt, insbesondere für Menschen mit hellem Hauttyp.

Nach Ansicht italienischer Forscher lässt sich jedoch allein damit die starke Zunahme der Fallzahlen nicht vollständig erklären. Das Team um Professor Ignazio Stanganelli von der Universität Parma vermutet einen Zusammenhang mit Pestiziden, und zwar insbesondere mit Unkrautbekämpfungsmitteln (JEADV 2019; online 21. September).

Grundlage für diese Annahme ist eine Metaanalyse über neun Studien, davon sieben Kohorten- und zwei Fallkontrollstudien, an denen insgesamt 184 389 Menschen aus zahlreichen Nationen, insbesondere der nördlichen Hemisphäre, teilgenommen haben.

Die größte Kohorte mit knapp 90 000 Teilnehmern, darunter vor allem Farmer und Gärtner, stammte aus den USA, weitere Studien kamen aus Großbritannien, Island, Dänemark und den Niederlanden.

Verschiedene Arten von Pestiziden untersucht

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen verschiedensten Arten von Pestiziden – dazu zählten Herbizide, Insektizide, Fungizide, Bakterizide, Rodentizide und Begasungsmittel – und der Entwicklung eines kutanen Melanoms. In die Metaanalyse hatten die Autoren nur Personen aufgenommen, die eine Lizenz für den Umgang mit Pestiziden besaßen, diese also direkt anwendeten.

Das Ergebnis: Eine signifikante Assoziation mit Melanomerkrankungen ergab sich lediglich für die Gruppe der Herbizide mit einer Risikoerhöhung um relative 85 Prozent bei jeglicher Exposition. Dagegen war weder die Exposition gegenüber Insektiziden noch gegenüber sämtlichen Pestiziden zusammengenommen mit einer signifikanten Risikoerhöhung assoziiert.

Studien zufolge sind Pestizide in der Lage, oxidativen Stress zu verstärken und die DNA zu schädigen. Sie können darüber hinaus zu Mutationen führen, die Immunabwehr beeinträchtigen und chronische Entzündungen auslösen. Inwieweit diese Vorgänge allerdings ursächlich für die Melanomentstehung sind, lässt sich aufgrund der Datenbasis nicht sagen.

Was ist mit der UV-Exposition?

Erschwert wird die Spurensuche vor allem durch den unbestreitbaren Einfluss der UV-Strahlung. Stanganelli und Kollegen geben zu bedenken, dass insbesondere Beschäftigte in der Landwirtschaft viel Zeit im Freien verbringen und damit in hohem Maße der Sonne ausgesetzt sind.

In der vorliegenden Metaanalyse hatten nur zwei Studien den Einfluss von Sonnenstrahlung berücksichtigt: In einer der beiden, einer Kohortenstudie mit knapp 25 000 US-Teilnehmern, in der 50 verschiedene in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide untersucht wurden, blieb der Effekt nahezu gleich; in der anderen, einer Fallkontrollstudie mit 800 Teilnehmern, fanden die Autoren Hinweise auf einen Synergismus zwischen dem beruflichen Einsatz von Pestiziden und der UV-Exposition.

Weitere, möglichst gezielte Beobachtungsstudien, so die Autoren, müssten nun zeigen, ob sich der Verdacht eines erhöhten Hautkrebsrisikos beim Umgang mit Herbiziden, insbesondere bei beruflicher Exposition, bestätigt.

Vorteile des kostenlosen LogIns

Auf unserer Webseite finden Sie tagesaktuelle Informationen aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Medizin und Wirtschaft.

Über ein kostenloses LogIn erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile:

  • Mehr Analysen, Hintergründe und Infografiken
  • Exklusive Interviews
  • Praxis-Tipps zur Abrechnung und Organisation
  • Alle medizinischen Berichte lesen
  • Kommentare lesen und schreiben

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicken erledigt. Weitere Infos und zum LogIn!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Krankenkassen-Auswertung

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs

Das könnte Sie auch interessieren
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird

Lesetipps
Ein Arzt bereitet eine Biopsie vor.

© Rokas / stock.adobe.com

Aktive Überwachung

Prostatakrebs: Urintest kann Biopsien ersparen