Herz-Gefäßkrankheiten

Fast erfroren: Spezialmethode rettet 56-Jährige

Trotz Kreislaufversagens und einer Körperkerntemperatur von nur 23 Grad ist eine 56-jährige extrem unterkühlte Frau in Leipzig gerettet worden. Geholfen hat den Ärzten eine spezielle Therapie.

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LEIPZIG (eb). Ärzte am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) haben eine Frau kurz vor dem Erfrieren gerettet. Trotz Kreislaufversagens und einer Körperkerntemperatur von nur 23 Grad wurde sie wiederbelebt. Nach sieben Tagen im künstlichen Koma ist die Patientin jetzt wach, stabil und ansprechbar, so eine Mitteilung des UKL.

Noch wird die 56-jährige Leipzigerin weiter auf der Intensivstation versorgt. "Wenn sich aber ihr Zustand weiterhin so gut bessert, rechnen wir mit einer völligen Wiederherstellung ohne schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Das ist ein extrem seltener Fall und ein großes Glück für die Patientin", wird der Anästhesiologe und Intensivmediziner Professor Udo X. Kaisers zitiert.

Dabei waren die Überlebenschancen der Patientin bei der Aufnahme im UKL alles andere als gut: Die Körperkerntemperatur lag 14 Grad niedriger als normal, und es war ein Herz-Kreislaufstillstand eingetreten.

Nur durch kontinuierliche Herz-Lungen-Wiederbelebung wurde ein minimaler Kreislauf aufrechterhalten. Bei solchen Körperkerntemperaturen sind die sonst üblichen Wiederbelebungsmaßnahmen unwirksam.

Daher erhielt die Patientin noch in der Notaufnahme unter kardiopulmonaler Reanimation eine ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), die die Kreislauf- und Lungenfunktion ersetzt und eine Wiedererwärmung ermöglicht.

Erfolg nach sechs Tagen

Mit diesem Verfahren begannen die Ärzte eine langsame Aufwärmung. In dieser Zeit und an den folgenden Tagen blieb die Patientin im künstlichen Koma. Nach sechs Tagen zeigten sich Erfolge. Vermutlich würden selbst die mäßigen Erfrierungen weitgehend ausheilen, heißt es in der Mitteilung.

Zu verdanken sei dies vor allem der Zusammenarbeit der Fachexperten. Da die Patientin rechtzeitig angemeldet worden war, standen die Ärzte in der Zentralen Notaufnahme bei Ankunft bereit. Die Patientin hatte offenbar Glück im Unglück - vermutlich war der Kreislaufstillstand erst eingetreten, als der Rettungsdienst sie fand und bewegen musste.

Die Entscheidung, die Wiederbelebung sofort zu beginnen, rettete ihr das Leben. Das ist nicht selbstverständlich, denn oft erscheinen stark unterkühlte Menschen völlig leblos.

Die Patientin hatte bei zweistelligen Minustemperaturen mehrere Stunden im Freien verbracht. "Die sofortige extrakorporale Kreislaufunterstützung von extrem unterkühlten Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand ist die einzige erfolgversprechende Option zur Rettung", erläutert Kaisers in der Mitteilung. Diese Methode stehe aber nur an wenigen Zentren wie dem UKL zur Verfügung."

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