wachstumshormone

Fehlalarm bei Krebsrisiko

Befürchtungen, dass die Therapie mit Wachstumshormonen das Krebsrisiko erhöht, konnten nicht bestätigt werden.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:

KÖLN/BERLIN. Es gibt Hinweise aus Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Wachstumshormonen und der Entstehung etwa von Krebs vermuten lassen könnten. Allerdings fehlt bisher der Beleg. Die Befürchtungen konnten nicht bestätigt werden.

Beim Pädiatrie Update 2016 erinnerte Professor Wieland Kiess von der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Leipzig daran, dass Wissenschaftler auch in weltweit umfassenden Studien den Zusammenhang zwischen der Therapie mit Wachstumshormonen und Krebs überprüft haben.

Er stellte dazu unter anderem die Daten einer Registerstudie vor, für die die Befunde von Patienten mit Panhypopituitarismus aus 18 Ländern ausgewertet wurden, darunter Deutschland, Japan, Australien und USA. Es handelt sich um die Studie HypoCCS (Hypopituitary Control and Complications Study) mit Daten zur Somatropin-Therapie, die zwischen 1996 und 2012 erhoben worden waren.

Verglichen wurden in der Studie mit Blick auf primäre Tumorerkrankungen die Befunde von 8418 wachstumshormonbehandelten Patienten mit denen von 1268 Patienten ohne diese Therapie. Ebenso erfolgte ein Vergleich zwischen 3668 behandelten und 720 unbehandelten Patienten, die in der Anamnese ein Hypophysenadenom aufwiesen. Verglichen wurde schließlich auch eine Gruppe von 956 behandelten mit 102 unbehandelten Patienten mit Kraniopharyngeom.

Laut Kiess wurde keine erhöhte Anfälligkeit für Krebs in den Gruppen mit Hormontherapie festgestellt. Insbesondere seien nach einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 4,8 Jahren sowohl das Mamma-Ca bei Frauen und Prostatatumoren als auch kolorektale Karzinome bei Patienten mit Wachstumshormontherapie nicht häufiger gewesen als bei unbehandelten Patienten. Zudem sei bei Patienten mit Hypophysenadenomen oder Kraniopharyngeomen durch Wachstumshormontherapie die Rezidivrate nicht erhöht worden.

Einschränkend weist Kiess darauf hin, dass in der Studie eine repräsentative Kontrollgruppe mit gesunden Teilnehmern gefehlt habe. Deshalb bleibe das Gesamtkrebsrisiko in der Studiengruppe unklar. Beruhigend sei dennoch, dass trotz der langen Beobachtungszeit und der hohen Teilnehmerzahl ein erhöhtes Krebsrisiko bei Therapie mit dem Wachstumshormon nicht nachgewiesen worden sei.

Auch der Zusammenhang zwischen Wachstumshormonbehandlung und Entstehung von Hirntumoren ist in einer großen Studie untersucht worden. In der US-amerikanischen retrospektiven Kohortenstudie CCSS (Childhood Cancer Survivor Study) wurden die Befunde von fast 13.000 Patienten ausgewertet, bei denen Krebs vor dem 21. Lebensjahr diagnostiziert worden war und die mindestens fünf Jahre lang die Krebserkrankung überlebt hatten.

Nach Angaben von Kiess hatten 338 Studienteilnehmer über eine Wachstumshormontherapie berichtet. Einerseits habe die Studie bestätigt, dass eine Bestrahlung des ZNS zur Folge haben kann, dass es zu Wachstumshormonmangel kommt und zudem Hirntumoren wie Gliome ausgelöst werden können. Andererseits sei kein statistisch signifikanter Anstieg der Hirntumorrate nach Wachstumshormonbehandlung beobachtet worden. Vor allem Meningeome und Gliome seien nicht mit der Hormonbehandlung assoziiert. Die Ergebnisse der US-Studie scheinen seiner Ansicht nach darauf hinzuweisen, dass eine sinnvolle und gerichtete Wachstumshormonbehandlung von Kindern sicher und nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sei.

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