Zwei erkrankte Männer

Flughafen-Malaria am Frankfurter Airport

Zwei Männer, die am Frankfurter Flughafen arbeiten, haben sich im Oktober mit Malaria angesteckt, obwohl sie nicht verreist waren. Vermutlich wurden sie von einer infizierten Mücke gestochen, die per Flugzeug nach Deutschland gelangt ist.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 06.12.2019, 14:00 Uhr
Flughafen-Malaria am Frankfurter Airport

Anophelesmücken dienen als Überträger der Malaria auslösenden Sporozoiten.

© Vladimir Vitek / stock.adobe.com

Solna. Am Airport in Frankfurt/Main sind im Oktober wohl zwei Fälle von Flughafen-Malaria aufgetreten. Ein 38-jähriger und ein 51-jähriger Mann sind dabei wahrscheinlich von einer mit dem Malaria-Erreger Plasmodium (P.) falciparum infizierten Anopheles-Mücke gestochen worden, die per Flugzeug nach Frankfurt gelangt ist. Das berichtet die Fachzeitschrift Eurosurveillance, die von der EU-Seuchenbehörde ECDC herausgegeben wird (Eurosurveillance 2019; online 5. Dezember).

Für diese Vermutung gibt es mehrere Hinweise: Zum einen seien beide Männer zuvor nicht in Malaria-Endemiegebiete gereist, und beide hätten in derselben Nacht am Frankfurter Flughafen gearbeitet, schreiben Dr. Imke Wieters und Kollegen.

Ein Patient berichtete demnach von mehreren Insektenstichen zwei Wochen, bevor die ersten Symptome auftraten. Dem anderen Betroffenen waren keine Insektenstiche aufgefallen. Bei beiden traten die ersten Symptome zum gleichen Zeitpunkt auf.

Diagnose erst nach mehr als einer Woche

Beide Männer entwickelten eine schwere Malaria und wurden in das Universitätsklinikum Frankfurt eingeliefert. Die richtige Diagnose sei bei den Patienten insgesamt erst nach mehr als einer Woche gestellt worden (neun und zwölf Tage).

Die Forscher erinnern daher daran, bei typischen Symptomen und bei einer plausiblen möglichen Exposition (auch an Flughäfen) auch an eine Malaria-Erkrankung zu denken – selbst wenn Patienten nicht in Malaria-Endemiegebiete gereist sind.

Nachdem in beiden Fällen der Verdacht einer Malaria-Erkrankung aufkam, wurden Blutproben der Männer zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gesendet. Dabei wurden bei beiden Männern Erreger mit genetisch identischen Merkmalen nachgewiesen – auch das ein Hinweis auf eine autochthone Infektion.

„Autochthone Übertragung bleibt äußerst unwahrscheinlich“

Zwar gebe es auch hierzulande heimische Anopheles-Mücken (A. plumbeus), die in experimentellen Versuchen sogar den Malaria-Erreger P. falciparum übertragen konnten. Allerdings konnte bisher in Deutschland keine Übertragung außerhalb des Labors eindeutig auf A. plumbeus zurückgeführt werden.

Im Jahr 2001 habe es zwei Verdachtsfälle gegeben, bei denen A. plumbeus den Malaria-Erreger übertragen haben soll, erinnern Wieters und Kollegen (Trop Med Int Health 2001; 6(12):983-985).

Bei diesen Fällen war die Malaria-Erkrankung während eines Krankenhausaufenthalts aufgetreten, bei dem in derselben Klinik auch ein Kind aus Angola mit chronischer P. falciparum-Infektion behandelt worden war.

Während bei diesen Fällen andere Infektionswege (Übertragung durch importierte Anopheles-Mücken oder via Bluttransfusion) als unwahrscheinlich galten oder ausgeschlossen werden konnten, gab es Hinweise auf eine Infektion über die heimische Mückenart A. plumbeus, allerdings keinen tatsächlichen Beweis.

„Unserer Meinung nach, bleibt die autochthone Übertragung von Malaria-Erregern in Zentraleuropa äußerst unwahrscheinlich“, so die Forscher abschließend.

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