Direkt zum Inhaltsbereich

Gentests decken Ursachen von Schlaganfall auf

Genetisch bedingte Leiden sind nicht immer selten. So ist ein Schlaganfall in jungen Jahren oft das erste Symptom eines M. Fabry.

Veröffentlicht:

Bekommen Patienten mit Morbus Fabry einen Schlaganfall, dauert es noch immer etwa zehn Jahre bis zur richtigen Diagnose, hat Professor Arndt Rolfs von der Universität Rostock berichtet. "Das ist ein Desaster, denn es gibt ja eine kausale Therapie", sagte Rolfs beim Neuro Update in Wiesbaden. Der Neurogenetiker nannte Zahlen, nach denen etwa fünf Prozent aller kryptogenen Schlaganfälle bei Patienten unter 55 Jahren auf einen Morbus Fabry zurückzuführen sind, insgesamt seien das 1,5 Prozent aller Schlaganfälle in dieser Altersgruppe. Daher sollte bei einem Schlaganfall in jungen Jahren eigentlich immer ein Morbus Fabry ausgeschlossen werden.

Wegweisend zur Diagnose sei die Kombination aus Schlaganfall oder TIA, Proteinurie (bei etwa 70 Prozent), Reizleitungsstörungen des Herzens sowie unklare Schmerzzustände. Die spezifische Diagnostik erfolgt über den Nachweis von Mutationen im Alpha-Galaktosidase-Gen. Das Schöne an solchen Gentests: Sie berühren nicht das Laborbudget. Insgesamt so Rolfs, liegen die Kosten für Gentests auf Erbkrankheiten je nach Länge des untersuchten DNA-Abschnitts zwischen 100 und 3000 Euro. Bei begründetem Verdacht auf eine genetische Erkrankung sollten Ärzte also nicht lange zögern.

Bei jüngeren Apoplexie-Patienten ist auch ein CADASIL*-Syndrom auszuschließen. Die Erkrankung trägt zu 1,2 Prozent der Schlaganfälle unter 55 Jahren bei und ist Ursache für etwa neun Prozent aller rezidivierenden Schlaganfälle in dieser Altersgruppe, so Rolfs. Ursache ist ein Defekt im Notch-3-Gen.

Typisch bei CADASIL sind kognitive Defizite mit progredienter Demenz (bei etwa 60 Prozent), Migräne und Mikroblutungen. Im MRT lassen sich die Folgen multipler Infarkte nachweisen. Auch hier schafft ein Gentest Klarheit. Im Gegensatz zu M. Fabry gibt es aber keine spezifische Therapie. Die Lebenserwartung liegt bei unter 60 Jahren. (mut)

*CADASIL steht für Cerebral Arteriopathy, Autosomal Dominant, with Subcortical Infarcts and Leucoencephalopathy.

Lesen Sie dazu auch: Antikörper läuten Wandel in der MS-Therapie ein Auf die richtige Interferon-Dosis kommt es an Alzheimer lässt sich immer früher erkennen Musik beschleunigt Rehabilitation nach Apoplexie

Kongress-News: Bei Status epilepticus mit Fieber sofort behandeln! Blindsight - "Sehen" ohne visuellen Kortex Aquaporin als Marker für Therapieverlauf bei NMO Meningitis duldet keinen Aufschub der Antibiose

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Strategie nach Ende der DAPT

Nach perkutaner Koronarintervention bevorzugt Clopidogrel einsetzen

Registeranalyse

Intravenöse Lyse auch bei Kindern mit Schlaganfall wohl vorteilhaft

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Post-COVID-Syndrom: Blutwäsche in Studie ohne Nutzen für Betroffene?

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose

Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen