Harnwegsinfekt? Bei Kindern Urinmikroskopie!

MÜNCHEN (wst). Bei etwa fünf Prozent aller fiebernden Kindern muß statistisch mit einer Harnwegsinfektion gerechnet werden. Mädchen sind bekanntlich deutlich häufiger betroffen als Jungen. Ein negatives Ergebnis der Teststreifenuntersuchung des Urins schließt aber eine Harnwegsinfektion nicht aus. Sicherer zur Diagnose ist die Urinmikroskopie.

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Darauf machte Professor Florian Heinen vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Uni München auf einer von Neuro-Consil organisierten Fortbildungsveranstaltung in München aufmerksam. Je nach Alter des erkrankten Kindes fallen unterschiedliche Symptome auf. Bei Neugeborenen etwa ist Fieber eher selten.

Suspekt, aber wenig spezifisch sind plötzliche Trinkschwäche, graublasse Hautfarbe und Berührungsempfindlichkeit. Bei Säuglingen sind Zeichen eines Harnwegsinfektes oft hohes Fieber in Verbindung mit Durchfällen, Erbrechen oder auch meningitischen Zeichen.

Bei Kleinkindern sind Pollakisurie und sekundäres Einnässen Hinweise auf einen Harnwegsinfekt. Bei hohem Fieber mit oft noch diffusen Bauchschmerzen sollte man bereits an eine Pyelonephritis denken. Der sonst typische Flankenschmerz kann frühestens ab dem dritten bis vierten Lebensjahr festgestellt werden.

Können Kinder bereits die Blase kontrollieren, ist der Mittelstrahlurin ein taugliches Untersuchungsmaterial. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird die Urindiagnostik schwieriger. Bei ihnen wird eine Urinprobe mittels Klebebeutel genommen. Doch trotz gründlicher Reinigung der Genito-Analregion muß man damit rechnen, daß das Ergebnis durch Kontaminationen verfälscht wird.

Besonders wenn eine anogenitale Dermatitis oder eine Diarrhoe besteht, sollte bei dringendem Verdacht auf Harnwegsinfektion erwogen werden, Urin steril via suprapubischer Blasenpunktion zu gewinnen, so Heinen. Der Pädiater warnte, allein mit dem negativen Ergebnis einer Teststreifenuntersuchung eine Harnwegsinfektion auszuschließen.

Erfahrungsgemäß sind zehn bis 20 Prozent solcher Tests falsch negativ, und zwar um so wahrscheinlicher, je kürzer die Verweildauer des Urins in der Blase war. Valider ist die Urinmikroskopie. In der Zählkammer sind mehr als zehn Leukozyten pro Mikroliter bei Jungen pathologisch, bei Mädchen mehr als 50.

Da meist vor einer Keimspezifizierung eine Antibiotikatherapie beginnen muß, wählt man Substanzen, die auch E. coli abdecken. Heinen nannte als Mittel der Wahl Amoxicillin plus Clavulansäure, Cefaclor, Cefixim, Ceftibuten oder Cefuroximaxetil. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder behandelt man mindestens zehn bis 14 Tage. Bei älteren Kindern mit unkompliziertem Harnwegsinfekt reichen oft drei Tage.

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