Direkt zum Inhaltsbereich

Invasive Pilzinfektionen bleiben oft zu lange unerkannt

HAMBURG (kas). Die Gefährlichkeit invasiver Mykosen wird noch immer unterschätzt. Dies belegt eine aktuelle Autopsiestudie von Privatdozent Stefan Koch aus Bad Saarow, die der Pathologe bei einer Veranstaltung in Hamburg selbst vorgestellt hat. Und: Oft werden Mykosen nicht rechtzeitig erkannt.

Veröffentlicht:

Aus den Jahren 1973 bis 2001 sind insgesamt 4813 Autopsien am HUMAINE Klinikum Bad Saarow auf systemische Mykosen hin untersucht worden, wie Koch bei der von Pfizer unterstützten Veranstaltung zur 38. Wissenschaftlichen Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (DMykG) berichtet hat. Dabei war selbst nach 1992 - also nach der Wiedervereinigung Deutschlands - die Autopsierate in Bad Saarow mit 28 Prozent noch viel höher als im Bundesdurchschnitt.

Es sei aufgefallen, daß seit Studienbeginn nicht nur die Mykose-Inzidenz bei Patienten, die später obduziert wurden, auf das 2,5fache gestiegen war, sondern auch, daß sich das Erreger-Spektrum gewandelt habe, so Koch. Bis 1980 habe es nur Candida-Infektionen gegeben, ab 1992 seien in erster Linie Schimmelpilze (Aspergillus-Arten) nachgewiesen worden.

Insgesamt ist von einer Mykose-Inzidenz im gesamten Zeitraum der Studie von einem Prozent auszugehen, zwischen 1992 und 2001 dagegen war die Inzidenz mit fast zwei Prozent doppelt so hoch.

Bedenklich sei: Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen war die Mykose die direkte Todesursache, aber nur bei sechs Prozent dieser Patienten wurde sie zu Lebzeiten diagnostiziert, so Koch. Hochgerechnet auf Deutschland gibt es somit jährlich einige tausend Patienten mit nicht erkannten, letalen Mykosen.

Daß lebensbedrohliche System-Mykosen auch bei uns nicht nur Immungeschwächte betreffen, belegt eine vom DMykG-Vorsitzenden, Professor Herbert Hof aus Mannheim als Beispiel geschilderte Kasuistik. Bei einem 60jährigen, bisher gesunden Weltenbummler, der sich mit Husten und Hautausschlag vorstellte, wurde wegen disseminierter Granulome an Haut und Lunge eine Tuberkulose vermutet.

Als der Zustand des Patienten sich trotz Tbc-Behandlung verschlechterte, wurde nur die Medikation verändert, aber nicht an andere Erreger gedacht. Die richtige Diagnose stellte erst der Pathologe: Coccidioides imitis, ein Pilz, der in Kalifornien häufig, bei uns aber sehr selten ist. Dabei hätte der Erreger einfach nachgewiesen werden können, und eine einwöchige Therapie etwa mit dem Triazol-Antimykotikum Voriconazol (Vfend®) hätte den Patienten vermutlich gerettet, so Hof.



Mykologische Stiftung

Anfang 2004 hat sich die Stiftung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (DMykG e.V.) konstituiert. Ihr Ziel sei es, so Stiftungspräsident Dr. Jürgen Bufler aus Karlsruhe, die Forschung zu Mykologie in Deutschland voranzubringen und die hohe Dunkelziffer von Toden durch unerkannte Mykosen zu senken. Mit Stipendien und Forschungspreisen zur Pilz-Diagnostik und Therapie will man den Fachbereich Mykologie attraktiver machen. Mehr Infos: www.dmykg.de (kas)

Mehr zum Thema

Übersicht

Impfungen gegen Atemwegserreger: Das sind die aktuellen Empfehlungen

Abschlag gilt bis Ende März 2027

RSV-Beratung: EBM-Ziffer 01943 ist nicht mehr abrechenbar

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Lesetipps
Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?