Weniger chronische Schäden

Britische Kaffeetrinker haben seltener Leberleiden – auch ohne Koffein

Bei der Auswahl und Zubereitung von Kaffee gehen die Geschmäcker auseinander. Der Leber sind sie offenbar egal: Sie könnte laut einer britischen Studie von jeglichem Kaffeekonsum profitieren.

Von Dr. Beate Schumacher Veröffentlicht:
Leber unter der Lupe: Regelmäßige Kaffeetrinker entwickeln seltener chronische Lebererkrankungen.

Leber unter der Lupe: Regelmäßige Kaffeetrinker entwickeln seltener chronische Lebererkrankungen.

© natali_mis / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Hat die Art der Kaffeezubereitung Konsequenzen für die mutmaßlichen protektiven Effekte an der Leber?
  • Antwort: Kaffeetrinker entwickeln seltener chronische Lebererkrankungen, unabhängig davon, ob sie ihren Kaffee mit oder ohne Koffein trinken oder aus löslichem Pulver oder gemahlenen Bohnen zubereiten.
  • Einschränkung: Beobachtungsstudie, daher kein Kausalitätsnachweis möglich; Kaffeekonsum einmalig erhoben.

Southampton. Dass regelmäßige Kaffeetrinker seltener chronische Lebererkrankungen einschließlich Zirrhose und Krebs entwickeln, ist vielfach beschrieben. Unklar ist allerdings, welche Bestandteile des Getränks für die vermutete protektive Wirkung verantwortlich sind. Kaffee enthält Hunderte von Substanzen, deren Zusammensetzung auch von der Zubereitung abhängt. Koffein dürfte allerdings nicht die entscheidende Komponente zu sein. Laut einer Studie aus Großbritannien scheint für die Leber auch ansonsten der eine Kaffee ungefähr so gut wie der andere zu sein.

In der Studie wurden 385.000 Kaffee trinkende und 110.000 kaffeeabstinente Teilnehmer der UK Biobank über eine Zeit von gut zehn Jahren nachverfolgt (BMC Public Health 2021; online 22. Juni). In dieser Zeit wurden 3600 chronische Lebererkrankungen (CLD), 5439 Fälle von CLD oder Fettleber, 184 hepatozelluläre Karzinome (HCC) und 301 Todesfälle durch CLD registriert.

Maximaler Effekt bei drei bis vier Tassen pro Tag

Bei Kaffeetrinkern war im Vergleich zu Nichttrinkern das Risiko einer CLD um 21 Prozent, einer CLD oder Steatose um 20 Prozent und des CLD-bedingten Todes um 49 Prozent reduziert. Beim HCC gab es rein numerisch ebenfalls einen Rückgang (–20 Prozent), der Unterschied verfehlte aber die statistische Signifikanz. Alle Zahlen wurden adjustiert auf wichtige andere Risikofaktoren für die Leber.

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Der Rückgang der Lebererkrankungen in der Kaffeegruppe korrelierte mit steigendem Kaffeekonsum. Der maximale Effekt war jedoch bei drei bis vier Tassen pro Tag erreicht. Die Schutzwirkung gegenüber CLD, CLD oder Steatose und Tod durch CLD wurde unabhängig davon beobachtet, ob der Kaffee ohne Koffein, aus löslichem Pulver oder aus gemahlenen Bohnen (als Filterkaffee oder Espresso) zubereitet wurde. Der gemahlene Kaffee schnitt allerdings am besten ab, beispielsweise mit einer CLD-Reduktion um 35 Prozent.

Dass der gefundene Zusammenhang eine reverse Kausalität widerspiegelt, dass also Leberkranke seltener Kaffee trinken, kann weitgehend ausgeschlossen werden: Wenn die ersten fünf Jahre nach der Befragung zum Kaffeekonsum nicht in die Auswertung eingingen, führte dies zu unveränderten Ergebnissen.

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