Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Therapieoption?

Körpereigener Faktor stärkt die HBV-Abwehr

Forscher haben einen körpereigenen Faktor für die Abwehr von Hepatitis-B-Viren identifiziert.

Veröffentlicht:

LANGEN. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben mit SAMDH1 einen körpereigenen Faktor identifiziert, der durch Interferone hochreguliert wird und die Hepatitis-B-Infektion hemmt (Sci Rep 2016, online 27. Mai).

Die Erkenntnisse könnten möglicherweise für die Entwicklung neuer Therapieoptionen genutzt werden, teilt das PEI mit.

 Zur ersten Abwehrlinie des Organismus gegen Virusinfektionen gehört die Bildung von Restriktionsfaktoren in infizierten Körperzellen, die die Infektion und die Replikation hemmen.

Zelluläre Restriktionsfaktoren werden häufig von in Blut und Gewebe befindlichen Interferonen reguliert, die als körpereigene Antwort des angeborenen Immunsystems auf erste Anzeichen einer Infektion gebildet werden.

SAMHD1 (sterile alpha motif and histidine-aspartate (HD)-domain-containing protein 1) ist ein solcher Faktor, der zuerst als wichtiger antiviraler Faktor bei HIV-1 identifiziert wurde, heißt es in der Mitteilung.

Dieses zelluläre Enzym reguliert normalerweise die in Zellen zur Verfügung stehende Menge an Desoxynukleotidtriphosphaten (dNTP), bei denen es sich um wichtige Bausteine für die Bildung der zellulären DNA handelt. SAMHD1 zerlegt dNTP in seine Grundbausteine Nukleosid und Triphosphat, sodass in der Zelle weniger dNTP zur Verfügung stehen. dNTP spielen auch bei der reversen Transkription eine wichtige Rolle.

Dies ist ein essenzieller Prozess für HIV und Hepatitis-B-Viren (HBV), bei der ihre virale RNA in DNA umgeschrieben wird. Das in DNA umgeschriebene virale Erbgut wird fester und damit chronischer Bestandteil der infizierten Zellen.

Dr. Renate König, Leiterin der Forschungsgruppe "Pathogen-Wirt-Interaktionen" des Paul-Ehrlich-Instituts, hat mit ihrem Team den Einfluss von SAMHD1 auf die Replikation von HBV untersucht. Demnach übt SAMHD1 in Leberzellen eine wichtige antivirale Rolle gegenüber HBV aus.

Eine vermehrte Bildung von SAMHD1 hemmt die HBV-Replikation aufgrund der dNTPase-Aktivität des Enzyms, ein Ausschalten von SAMHD1 führt zur Zunahme der Replikation.

Gezeigt haben die Forscher außerdem, dass SAMHD1 durch Typ-I- und Typ-II-Interferone in primären menschlichen Leberzellen hochreguliert wird und damit als relevanter Restriktionsfaktor in vivo zur Hemmung von HBV beiträgt.

Zudem wiesen die Wissenschaftler nach, dass das Virus selbst über keinen direkten Gegenmechanismus verfügt. Neue Wirkstoffe, die die körpereigene Wirkung von SAMHD1 verstärken bzw. nachahmen, könnten damit möglicherweise interessante Therapieoptionen für die unterstützende Behandlung von HBV-Infektionen sein. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis E: Unterschätzte Gefahr bei Leberzirrhose?

Robert Koch-Institut

Hepatitis C: Diese Bevölkerungsgruppe ist am häufigsten betroffen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Allgemeinmediziner gibt Tipps

Ohne MFA läuft wenig: Was beim Impfmanagement wichtig ist

Lesetipps
Ein Bild einer Niere mit Amyloidose, Längsschnitt.

© CNRI / Science Photo Library

Seltene Erkrankungen

Geht an die Nieren: AA-Amyloidose