Altersentwicklung

Lebenserwartung HIV-Positiver steigt

Menschen mit HIV haben heute gute Chancen, alt zu werden. Damit treten Begleiterkrankungen zunehmend in den Vordergrund.

Veröffentlicht: 14.07.2017, 00:00 Uhr

Bis zum Jahr 2030 erwartet man einen Anteil von etwa 73 Prozent, den die über 50-Jährigen unter den HIV-positiven Menschen ausmachen. "Die Altersentwicklung entspricht heute fast der in der Gesamtbevölkerung", so Dr. Christoph Mayr aus Anlass der Münchner AIDS- und Hepatitis-Werkstatt. Dennoch bleibe bei der Lebenserwartung im Vergleich zu nicht mit HIV-Infizierten immer noch eine Lücke, so der Experte vom Berliner Zentrum für Infektiologie.

Die Hauptursache hierfür sieht Mayr in Komorbiditäten, die "manchmal in direkter Folge, manchmal in unheilvoller Koalition" mit HIV auftreten. Die Hälfte der HIV-Patienten über 60 Jahre habe drei und mehr Begleiterkrankungen, vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen oder einen Diabetes mellitus. Häufig gesellten sich psychische Probleme hinzu: "Das Lebenszeitrisiko, eine Depression zu entwickeln, liegt bei HIV-Patienten bei 45 Prozent!"

Ansetzen müsse man an den altbekannten "Stellschrauben": Ernährung, Bewegung, Karenz von schädlichen Substanzen, vor allem vom Nikotin, so Mayr. Bronchialkarzinome gehören – neben Anal- und Zervixkarzinomen – zu den Tumorentitäten, die bei HIV-Patienten in letzter Zeit zugenommen haben.

Mit Nachdruck wies Mayr auf das Problem der "Late-Presenter" hin, Patienten, bei denen die HIV-Infektion erst spät erkannt wird. Dabei handle es sich "häufig genug" um Senioren, die für sich gar kein entsprechendes Risiko beziffern könnten. "Wir Ärzte sind daran nicht ganz unschuldig", mahnte der Experte: Viele seien im Jahr vor der Diagnose "mit Symptomen vorstellig gewesen, bei denen der Arzt an die HIV-Infektion hätte denken können".

Studien hätten gezeigt, dass eine nicht behandelte HIV-Infektion "auch bei sehr ordentlicher Helferzahl zur ständigen Inflammation führt". Diese wiederum spiele bei der Entstehung vieler Erkrankungen, von der KHK über Diabetes bis zum Lymphom, eine Rolle. Die frühe ART sei daher eine Prämisse für ein langes Leben. (eo)

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