Migräne

Leitlinie zu Relaxation

Progressive Muskelentspannung, kognitive Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Biofeedback-Verfahren helfen bei Migräne.

Veröffentlicht: 12.10.2016, 16:36 Uhr

MANNHEIM. Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Bei mehr als einem Drittel von ihnen könnten neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Therapien lindernd wirken, teilt die Deutsche Schmerzgesellschaft (DGSS) im Vorfeld des Deutschen Schmerzkongresses (19. bis 22. Oktober 2016) in Mannheim mit.

Die erste Leitlinie zu "Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutischen Interventionen zur Behandlung der Migräne" zeigt: Vor allem progressive Muskelentspannung, kognitive Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Biofeedback-Verfahren helfen den Patienten.

Eine Autorengruppe hatte die aktuelle Studienlage ausgewertet und systematisch mehr als 800 Arbeiten untersucht. Privatdozent Dr. Charly Gaul, Mitglied des Autorenteams und Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), erläutert: "Schon wenn wir die Patienten beraten und über die Erkrankung aufklären, kommt es zu einer klinisch messbaren Kopfschmerzreduktion."

Entspannungsverfahren wie die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Progressive Muskelrelaxation (PMR) wirken besonders gut. "Die PMR ist zudem gut zu erlernen und kann ohne Aufwand angewandt werden", wird Gaul in der DGSS-Mitteilung zitiert.

Die Zahl der Migräneattacken könne so um 35 bis 45 Prozent reduziert werden, heißt es. Beim Thema Sport ist die Studienlage nicht ganz eindeutig. Dennoch gibt die Leitlinie grünes Licht für Ausdauersport als begleitende Therapie. Sport und Bewegung haben offenbar einen Effekt auf die Schmerzintensität und – das legen neuere Studien nahe – ebenfalls auf die Anzahl und die Dauer der Anfälle.

Gut belegt ist auch, dass Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wirkt, heißt es in der Mitteilung. Diese geht davon aus, dass jeder Mensch über seine Gedanken sein Erleben und Verhalten beeinflussen kann.

Dazu gehört auch, eine reale Belastung, die als Stress wahrgenommen wird, positiv umzudeuten. Dafür hinterfragt die betreffende Person beispielsweise überzogene Ansprüche an die eigene Leistung und lernt, Signale des Körpers zu erkennen, die eine Belastungssituation ankündigen. (eb)

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