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Verbreitete Meinung

Lieber einmal krank als impfen

Knapp die Hälfte der Bundesbürger findet es wichtig, dass ein Kind eine Krankheit auch mal durchmacht, so neue Umfragedaten. Begründung: Es sei danach besser geschützt als mit einer Impfung.

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Fatal: Etwa ein Drittel der Deutschen glaubt offenbar, dass Impfungen vermeidbare Risiken für Kinder bilden.

Fatal: Etwa ein Drittel der Deutschen glaubt offenbar, dass Impfungen vermeidbare Risiken für Kinder bilden.

© Dmitry Naumov/ stock.adobe.com

BONN. Eine repräsentative Meinungsumfrage entlarvt eine verbreitete Haltung contra Impfen: Vier von zehn Deutschen sind danach der Meinung, dass Kinder schon vor der Geburt im Mutterleib und danach über die Milch genügend Abwehrstoffe bekommen.

Und noch ein Drittel glaubt, dass Impfungen vermeidbare Risiken für Kinder bilden, zum Beispiel, weil sie das Immunsystem überlasten, wie der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) mitteilt.

Der Verband hat die repräsentative Meinungsumfrage ("Gesundheitsmonitor", 4. Quartal 2017) beim Marktforschungsunternehmen Nielsen in Auftrag gegeben.

Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH, kritisiert: "Diese Auffassungen widersprechen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Riskanter Verzicht auf Impfschutz

Bei manchen Erregern gleicht ein Verzicht auf Impfschutz gar einem Spiel mit dem Feuer. Zum Beispiel können Masern-Viren eine Hirnhautentzündung auslösen, die eventuell auch Jahre nach der Ansteckung noch zum Tode führt. Von der Ansteckungsgefahr für andere gar nicht zu reden."

Die Zahlen decken ein anderes Bild auf. Insgesamt glaubt dem Gesundheitsmonitor zufolge offenbar nur jeder Zweite in Deutschland, einen aktuellen Impfschutz gegen Masern zu haben, und nur etwa jeder Dritte gegen Keuchhusten.

Die Empfehlungen der STIKO sehen eigentlich gegen Masern und Keuchhusten eine Grundimmunisierung im ersten und zweiten Lebensjahr sowie eine Standard- (Masern) oder Auffrischimpfung (Keuchhusten) im Erwachsenenalter vor. Grundsätzlich zeigt sich laut BAH eine deutliche Unsicherheit, ob der Impfschutz noch aktuell ist oder nicht.

Weitere Ergebnisse der Umfrage:

  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist davon überzeugt, dass Impfungen ständig wiederholt werden müssen, sollen sie wirklich schützen.
  • Vier von zehn halten die Nebenwirkungen und Risiken für nicht kalkulierbar
  • Jeder Vierte denkt, dass Impfungen die Erkrankungen erst verursachen, gegen die sie schützen sollen.

Immerhin: Gegen Tetanus sind der Umfrage zufolge drei von vier Bürgern geschützt.

Aus den Ergebnissen folgert Kroth: "Offensichtlich müssen wir dringend mehr Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten. Dabei denke ich in erster Linie an die Ärzte und Apotheker."

Eine Gelegenheit dazu bietet die Europäische Impfwoche, die vom 23. bis 29. April unter Federführung der World Health Organization (WHO) stattfindet. (run)

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Kommentare
Dr. Karlheinz Bayer 18.04.201816:38 Uhr

warum ein solches Umfrageergebnis immer gleich als falsch kommentieren?


Als "normal impfender" Allgemeinarzt stehe ich seit mehr als 30 Jahren genau zwischen den zwei Extrempositionen der Impfgegner und der Impffanatiker.
Über allem schwebt dann noch die STIKO, auf die hingewiesen wird, als seien ihre Aussagen Bibelzitate.
Dazu kommen Erkenntnisse wie die, daß Ärzte sich signifikant seltener und weniger impfen lassen als die Durchschnittsbürger.
Mein Großvater pflegte zu sagen, er nehme nur die Therapie an, die auch sein Arzt für sich gutheißt.
Impfung ist sicher nicht gleich Impfung.
Während Tetanus logisch erscheint, ist die Grippeschutzimpfung oder die Impfung gegen FSME umstritten - mal ehrlich, auch in Fachkreisen ist das so. Würde man nicht so dogmatisch vorgehen und jeden Einwand gegen eine Impfung als Häresie abtun, ich bin sicher, die Lager-Diskussion hätte ein Ende.

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