Lebenszeit

Männer verrauchen neun Jahre

Wer auf Alkohol und Zigaretten verzichtet und sich auch sonst gesund ernährt, lebt bis zu 17 Jahre länger. Berechnungen des DKFZ zeigen außerdem: Durch das Rauchen geht die meiste Lebenszeit flöten.

Veröffentlicht:
Auch ein moderater Zigaretten-Konsum reduziert die Lebenserwartung um Jahre.

Auch ein moderater Zigaretten-Konsum reduziert die Lebenserwartung um Jahre.

© Photographee.eu / fotolia.com

HEIDELBERG. Die meiste Lebenszeit kostet es, zu rauchen, haben Berechnungen aus Daten der EPIC-Studie ergeben. Männern raubt der Glimmstängel im Schnitt neun, Frauen sieben Lebensjahre, teilt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit.

Eigentlich weiß es jeder: Gesund ist es nicht, sein Dasein als schwergewichtige "Couch Potatoe" mit Bier und Zigaretten vor dem Fernseher zu verbringen. Wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sind, die ein solch ungesunder Lebensstil mit sich bringt, haben Wissenschaftler aus dem DKFZ nun präzise ermittelt (BMC Medicine 2014; 12: 59)

Die DKFZ-Epidemiologen um Professor Rudolf Kaaks errechneten, wie viele Jahre jedes einzelne Risikoverhalten von der durchschnittlichen Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen raubt. Außerdem ermittelten sie die Auswirkungen der kombinierten Risiken.

Das Rauchen schlägt am stärksten zu Buche

Das günstigste Risikoprofil und damit die größte Lebenserwartung hatten demnach Nichtraucher mit einem Body Mass Index zwischen 22,5 und 24,9, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, dafür aber viel Obst und Gemüse aßen: Diese Menschen dürfen sich im Alter von 40 auf 47,5 (Männer) und sogar 48,7 weitere Lebensjahre (Frauen) freuen.

Betrachteten die Wissenschaftler die verschiedenen riskanten Lebensstilfaktoren jeweils einzeln, so schlägt das Rauchen am stärksten zu Buche: Raucht ein Mann über zehn Zigaretten pro Tag, so verliert er ganze 9,4 Jahre an Lebenserwartung, eine Frau 7,3 Jahre.

Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre.

Weitere Lebensstilfaktoren, die zu einem deutlichen Verlust an zu erwartenden Lebensjahren führen, sind: Adipositas (3,1/3,2 Jahre), starker Alkoholkonsum in Form von mehr als vier Drinks pro Tag (3,1 Jahr, nur Männer) und hoher Verzehr an rotem Fleisch (2,4 Jahre Frauen, 1,4 Jahre Männer).

Aber auch ein Body Mass Index unter 22,5 kg/m2 verringert die Lebenszeit (3,5 Jahre Männer, 2,1 Jahre Frauen). Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar.

Häufig Kombination von Risiken

Bei vielen Menschen bleibt es jedoch nicht bei einer einzigen ungesunden Angewohnheit. Um das zu berücksichtigen, errechneten die Forscher um Kaaks auch, welche Effekte eine Kombination dieser riskanten Lebensstilfaktoren mit sich bringt.

Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber dem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei Frauen wären es 13,9 Jahre.

Für ihre aktuelle Untersuchung stand den DKFZ-Epidemiologen ein wahrer Datenschatz zur Verfügung: Das DKFZ ist beteiligt an EPIC, der gesamteuropäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs. Seit nun 20 Jahren werden die Lebensstilfaktoren von über einer halben Million Europäer sorgfältig dokumentiert.

Allein das EPIC-Zentrum im DKFZ betreut 25.540 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg. Deren Daten flossen in die neue Erhebung ein, wie das Heidelberger Forschungszentrum mitteilt. Die EPIC-Daten seien von hoher Qualität, da die Teilnehmer im Verlaufe der Studie mehrfach zu ihrem Lebensstil befragt worden sind.

"Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als "erhobener Zeigefinger" empfunden", wird Kaaks, Leiter von EPIC Heidelberg, in der Mitteilung zitiert.

"Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet." (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Urteil zur Substitutionsbehandlung

Methadon-Praxis darf nicht beliebig erweitert werden

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 02.09.201415:10 Uhr

Kollege Dr. Peter Köhler, die (ernährungsbiol.) Vernunft spricht gegen einen Zusammenhang:

ein bischen Gemüse dazu, und schon ist der Unterschied nicht mehr nachweisbar.
Es sind daher andere Faktoren, die dem Fleisch von den Vegetariern gerne untergeschoben werden.
In USA hat man auch untersuchungen gemacht, die die unterschiedliche Zubereitung betreffen.
Und tatsächlich, je stärker "verbrannt" desto ungesunder.
Der Hauptnachteil von gutem Fleisch ist global:
es ist nicht eben billig.

Dr. Thomas Georg Schätzler 02.09.201414:48 Uhr

Kein Alkohol ist auch keine Lösung!

Ein Ärgernis vorweg: Die "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC) Studie mit knapp 450.000 europäischen Teilnehmern ist ein krankheitsepidemiologischer Euphemismus. EPIC war und ist nie und nimmer prospektiv. Es handelt sich in Wahrheit um eine simple "Follow-up"-Studie im "wait and see"-Design mit ex-post Befragung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Im zeitlichen Verlauf wurden von verschiedenen Studiengruppen höchst unterschiedliche, spekulative Hypothesen vorformuliert, um sie an Hand von invalidem Datenmaterial verifizieren zu wollen. Denn niemand kann im Voraus p r o s p e k t i v definieren, was er die nächste Zeit essen und trinken bzw. wie er sich verhalten wird.

Die Arbeit von Kuanrong Li, Anika Hüsing und Rudolf Kaaks: "Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study" entspricht in den Kernaussagen bereits in ihrem Abstract der oben erläuterten, irritierenden EPIC-Verwirrung:
Als Hintergrund ihrer Studie geben die Autoren für "westliche Populationen" (was immer das sein mag?) die Assoziation von Rauchen, Adipositas, ungesunder Ernährungsweise, schwerwiegendem Alkoholkonsum und körperlicher Inaktivität als Ursache für etwa die Hälfte aller vorzeitigen Sterbefälle an. ["Background - Cigarette smoking, adiposity, unhealthy diet, heavy alcohol drinking and physical inactivity together are associated with about half of premature deaths in Western populations. The aim of this study was to estimate their individual and combined impacts on residual life expectancy (RLE)."].

Schlussfolgerungen lesen sich dann aber folgendermaßen: Förderung gesunder Lebensstile, speziell keine Zigaretten zu rauchen und ein gesundes Körpergewicht beizubehalten sollte die Kernkomponente öffentlicher Gesundheitsempfehlungen sein, um vorzeitige Todesfälle in Deutschland und vergleichbaren Wohlstandsgesellschaften zu reduzieren ["Conclusions
Promoting healthy lifestyles, particularly no cigarette smoking and maintaining healthy body weight, should be the core component of public health approaches to reducing premature deaths in Germany and similar affluent societies."].

Das ist so banal und schlicht gestrickt, dass den Autoren doch glatt entfallen ist, m o d e r a t e n Alkoholkonsum (und damit verbundenes Genussverhalten im Lebensstil) als eine Komponente der Verlängerung der Lebenserwartung und der Lebensqualität zu würdigen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Peter Köhler 02.09.201411:32 Uhr

Rotes Fleisch = ?

Wie ist die Verringerung der Lebenserwartung wissenschaftlich einwandfrei belegt? Es ist doch eher durch das Blut/Eisenangebot eine Verbesserung zu erwarten.

Dr. Wolfgang P. Bayerl 02.09.201409:14 Uhr

Männer rauchen weniger, Frauen rauchen mehr

das ist der Trend.
political correct = Lüge

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?