Kardiologie

Marihuana: Gefahr für Herz und Kreislauf

Nicht nur Zigarettenrauchen, auch der Konsum von Marihuana ist Beobachtungsstudien zufolge eine Gefahr für Herz und Gefäße. Forscher haben nun fünf wichtige Erkenntnisse zusammengefasst.

Veröffentlicht: 21.01.2020, 19:13 Uhr
Marihuana: Gefahr für Herz und Kreislauf

Der Gefahr bewusst? Auch bei jüngeren Menschen scheint Marihuana-Konsum bereits aufs Herz zu gehen.

© Chris Young / The Canadian Press

New York. Etwa zehn Prozent der jungen Patienten mit Myokardinfarkt (unter 50 Jahre) eines Registers waren Konsumenten von Marihuana oder Kokain, haben Kardiologen um Ersilia DeFilippis von der Columbia Universität in New York bereits vor einigen Jahren festgestellt. Das hat die US-Wissenschaftler dazu veranlasst, nun alle bisherigen Erkenntnisse zu den möglichen Effekten von Marihuana auf das Herz-Kreislauf-System in einer großen Übersichtsarbeit zusammenzufassen (Journal of American College of Cardiology 2020; online 3. Januar).

Eine wichtige Erkenntnis: Cannabinoide hemmen bestimmte Enzyme, die den Metabolismus vieler Arzneimittel für Herzkranke beeinflussen. Dazu gehören unter anderen Antiarrhythmika, Statine, Kalziumantagonisten, Betablocker und Warfarin, teilt die Columbia Universität zur Publikation der Studie mit. Forscher gehen davon aus, dass Cannabinoide die Aktivität dieser Arzneimittel im Organismus erhöhen. Wie die Dosierung der Medikamente bei Marihuana-Konsum anzupassen ist, darüber gibt es bisher jedoch kaum Daten.

Beobachtungsstudien hätten ergeben, dass der Konsum von Marihuana Myokardinfarkte triggert, heißt es in der Mitteilung. Und: Eine kleine experimentelle Studie habe ergeben, dass es bei Marihuana-Konsumenten mit KHK schneller zu Angina pectoris kommt als bei Patienten mit Placebo-Konsum. Es wird vermutet, dass die Droge den zellulären Stress und Entzündungsvorgänge fördert. Man geht außerdem davon aus, dass Marihuana das Gefäßendothel schädigt und den Blutfluss beeinträchtigt.

„Auch wenn wir noch mehr Daten benötigen, haben wir jedoch Hinweise darauf, dass Marihuana mit KHK, Herzarrhythmien, Kardiomyopathien und Ähnlichem assoziiert ist“, wird DeFilipps in der Mitteilung der Universität zitiert. Daher sollten die Patienten nach Marihuana-Konsum gefragt werden, das könne bei der Risikoeinstufung helfen. Und: Mit den Patienten, die die Droge konsumieren, müsse über mögliche Wechselwirkungen mit den verordneten KHK-Arzneimitteln gesprochen werden. (ikr)

Marihuana – fünf kardiologische Erkenntnisse

  • Über zwei Millionen Menschen in den USA mit Herzproblemen sind auch Marihuana-Konsumenten.
  • Cannabinoide interagieren mit einigen KHK-Medikamenten.
  • Rauchen von Marihuana ist mit einem erhöhten Infarktrisiko assoziiert.
  • Cannabinoid-Rezeptoren befinden sich in vielen Geweben und Zellen, so auch in Myozyten und Blutzellen.
  • Kadiologen sollten Patienten auf möglichen Marihuana-Konsum ansprechen – auch vor dem Hintergrund, dass der THC-Anteil in Marihuana von etwa 4 % in denn 90er Jahren auf inzwischen 12 % angestiegen ist.
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Kommentare
Günther

Mich würde schon mal interessieren, ob man bei der Studie unterschieden hat, wer Cannabis pur und wer Cannabis mit Tabak vermischt geraucht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass hier schon Unterschiede zu finden sind. Ich finde es schon erstaunlich, dass man Nikotin (eines der stärksten Gifte) so in den Hintergrund schiebt.


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