Deutschland

Masern-Gefahr nicht gebannt!

Die Berliner Masern-Welle hat einen Todesfall und 1350 Erkrankte mit sich gebracht - die meisten waren zwischen 18 und 44 Jahre alt. Daran zeigt sich: Der Masern-Impfschutz in der Bevölkerung reicht nicht aus. Experten warnen: Wird nichts unternommen, sind weitere Ausbrüche zu erwarten.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Achtung, Masern. Die Berliner Masern-Welle hat die Versäumnisse im Impfschutz offengelegt.

Achtung, Masern. Die Berliner Masern-Welle hat die Versäumnisse im Impfschutz offengelegt.

© Trueffelpix / fotolia.com

BERLIN. Über 1350 Erkrankungen und ein Todesfall: Das ist die Bilanz des Berliner Masernausbruchs, der von Oktober 2014 bis August 2015 stattgefunden hat.

Die Masern sind dabei oft schwer verlaufen, betonen Ärzte um Professor Horst Bernutz vom Otto-Heubner-Centrum für Kinder- und Jugendmedizin der Charité (Epi Bull 2015; 47/48: 499).

Jeder vierte Betroffene in Berlin wurde stationär behandelt. In die Charité gab es in dieser Zeit zwölf Kinder im Alter von drei Monaten bis 16 Jahre mit Masernkomplikationen: sechs mit Pneumonie, die meisten anderen mit weiteren Atemwegserkrankungen.

Auch der in Folge von Masern an Myokarditis gestorbene Anderthalb-Jährige war in der Klinik behandelt worden. Alle diese Kinder seien bis zur Maserninfektion klinisch gesund oder in einem stabilen klinischen Zustand gewesen, betonen die Ärzte.

Masern-Impfschutz reicht nicht

Kritisiert werden die großen Impflücken: Zehn der Kinder hatten keinen Impfschutz, bei zweien war der Status unklar. Diese Befunde decken sich mit Daten aus der Bevölkerung.

So sind nach Stichproben zwar 93 Prozent der Schulanfänger gegen Masern geimpft, aber "bei Kindern im Kita-Eintrittsalter erfolgen Impfungen noch immer zu spät und nicht, wie von der STIKO empfohlen, bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres", betonen die Berliner Ärzte.

Säuglinge haben dabei ein besonders hohes Risiko für Masernkomplikationen, "sie sind daher auf einen Schutzkokon aus geimpften Personen in ihrer unmittelbaren Umgebung angewiesen."

Die erste Impfung wird ab einem Alter von elf Monaten empfohlen, bei Aufnahme in eine Kita auch ab neun Monate. Für eine Postexpositionsprophylaxe kann bereits mit sechs Monaten geimpft werden.

Ungeimpfte Kinder können jetzt nach dem Präventionsgesetz bei Masern-Ausbrüchen einfacher als bisher aus Gemeinschaftseinrichtungen ausgeschlossen werden. Verbesserungen soll auch die verpflichtende Impfberatung für Eltern vor Aufnahme ihres Kindes in eine Kindertagesstätte bringen.

Bisher keine Strategie gibt es in Deutschland, die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schließen.

In Berlin waren die meisten Erkrankten 18 bis 44 Jahre alt. Hier gilt nur der Rat im neuen Gesetz: Bei allen Arztkontakten den Masernschutz abklären und gegebenenfalls impfen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Welche Studien helfen im Umgang mit impfbesorgten Eltern?

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung

Was tun, wenn Unterzucker nicht bemerkt wird?

Lesetipps
Eine Figur steht in einem Irrgarten.

© imaginando / stock.adobe.com

Kasuistik

Patient mit juckendem Ausschlag: Irrwege bis zur richtigen Diagnose

Nur noch Kerzen erleuchten die Fenster eines Wohnhauses in Berlin. Nach dem Brand einer Kabelbrücke sind im Südwesten tausende Haushalte und Betriebe ohne Strom.

© Carsten Koall/dpa

Update

Praxen im Südwesten betroffen

Wieder Stromausfall in Berlin: Kollege Sommer berichtet von seinen Erfahrungen