Direkt zum Inhaltsbereich

"Drei-Eltern-Babies"

Mitochondriale Ersatztherapie birgt Risiken

Forscher konnten erstmalig eine Risikoabschätzung des Mitochondrienersatzes vornehmen.

Veröffentlicht:

DRESDEN. Die Hoffnung vieler Mütter mit beschädigtem Mitochondrien-Erbgut liegt in einer Mitochondrienspende – doch die birgt viele Risiken, wie eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Dresden ergeben hat (Hum Reprod Update 2018; online 11. Mai).

Bei der Mitochondrienspende oder Mitochondrien-Ersatztherapie transferieren Ärzte vor oder nach einer künstlichen Befruchtung den Zellkern aus der mütterlichen Eizelle in eine entkernte Eizelle einer Spenderin mit vermutet intaktem Mitochondrien-Erbgut, erinnert die TU Dresden in einer Mitteilung.

Diese Therapie ist zwar in England bereits klinisch zugelassen, ihre Auswirkungen auf die geborenen "Drei-Eltern-Babies" jedoch sind bisher nicht bekannt.

Mittlere bis starke Effekte des Mitochondrienersatzes

In ihrer Studie werteten Dr. Ralph Dobler und Kollegen nun alle bisher publizierten Ergebnisse zum Mitochondrienersatz aus den Gebieten der Medizin, der Biomedizin, der Ökologie und der Evolutionsbiologie aus. Dabei zeigten sich mittlere bis starke Effekte des Mitochondrienersatzes auf Merkmale wie Gesundheit, Entwicklung oder Fortpflanzung. "Besonders überrascht hat mich, dass die Effekte in Humanstudien generell stärker waren als in Tierstudien", wird Dobler in der Mitteilung zitiert.

"Außerdem konnten wir erstmalig überhaupt eine Risikoabschätzung des Mitochondrienersatzes vornehmen", ergänzt Projektleiter Professor Klaus Reinhardt. Demnach könnte in einem von 59 bis 130 nach Mitochondrien-Ersatztherapie geborenen Kindern ein ungewollter und momentan auch unvorhersagbarer Nebeneffekt auftreten.

Da etwa eines von 25 bis 50 Kindern von Müttern mit bekannten pathogenen mitochondrialen Mutationen erkrankt, kann nun für Patienten eine klarere Einschätzung des Risikos erfolgen: Bei benötigtem Mitochondrienersatz kann er bei etwa jedem dritten geborenen Kind zu ungewollten Nebeneffekten führen.

Die Autoren empfehlen deshalb weitere Untersuchungen zur Abschätzung der Risiken der Mitochondrien-Ersatztherapie. In Deutschland ist dieses Verfahren durch das Embryonenschutzgesetz nicht erlaubt. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Mai-Sitzung des CHMP

EMA-Experten empfehlen vier Pharma-Innovationen zur europaweiten Zulassung

Dosisabhängige Effekte

Rauchen verschlimmert Morbus Basedow

Orphan Drug

G-BA: Hinweis auf geringen Zusatznutzen für Olezarsen

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Bewusster Verzicht

Was bringt Fasten bei Schmerz?

Lesetipps
Bus, der in Richtung Rauchfreiheit fährt.

© Thomas Reimer / stock.adobe.com

Zum Weltnichtrauchertag

Wie Sie Ihre Patienten beim Rauchstopp unterstützen können

Darstellung des Herzpflasters auf einem Herzen.

© Universitätsmedizin Göttingen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters