Gynäkomastie

Müssen Männer zum Mamma-Screening?

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Sollte man also männliche Patienten mit Schwellung der Brustdrüsen routinemäßig zur Mammographie schicken? Eine neue Studie liefert jetzt Antworten.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 23.04.2015, 07:30 Uhr
Müssen Männer zum Mamma-Screening?

Gynäkomastie: Befindet sich ein Malignom in der Männerbrust?

© Prof. Dr. med. H. S. Füeßl, München

AMSTERDAM. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Oren Lapid vom Department of Plastic Reconstructive and Hand Surgery, Academic Medical Center der Universität Amsterdam hat sich für eine retrospektive Studie die Krankengeschichten von insgesamt 557 Männern angesehen, die wegen Brustbeschwerden - Schwellung/Gynäkomastie (74 Prozent), Schmerzen (24 Prozent), Knoten (10 Prozent) im Zeitraum von 2001 bis 2010 zur weiteren Abklärung mithilfe bildgebender Verfahren überwiesen worden waren (Breast J 2015, online 13. März).

Krebsrate von unter 1 Prozent

Bei 65 Prozent der Studienteilnehmer wurden eine Mammographie vorgenommen, bei 51 Prozent eine Ultraschalluntersuchung, und bei manchen Männern wurden beide Untersuchungsmethoden angewandt. Gemäß Breast Imaging Reporting and Data System (BI-RADS) lautete der Untersuchungsbefund bei 93 Prozent der Männer: BI-RADS 1 oder 2. Bei fünf Prozent war das Ergebnis: BI-RADS 3. Und bei rund zwei Prozent der Männer ergab sich ein BI-RADS 4 oder 5.

Bei Weitem am häufigsten wurde in der vorliegenden Studie eine Gynäkomastie diagnostiziert, und zwar bei rund 85 Prozent der Teilnehmer. Malignome waren hingegen mit einer Häufigkeit von unter einem Prozent vertreten: Betroffen waren von einem solchen Befund fünf Patienten, wie die niederländischen Wissenschaftler berichten.

Klinische Zeichen und Beschwerden

Die Vorgabe, die Diagnose einer Gynäkomastie per Feinnnadelaspiration zu überprüfen, ließen die Wissenschaftler nach der Hälfte der Studiendauer fallen. Der Grund dafür war der hohe negative Vorhersagewert klinisch und radiologisch benigner Befunde.

Bei keinem der abschließend als Krebs beurteilten Befunde handelte es sich um ein inzidentelles Karzinom, alle gingen mit klinischen Zeichen und Beschwerden einer. So wiesen nach Angaben der niederländischen Forscher vier Männer unilaterale, schmerzlose, tastbare Geschwülste auf, zwei hatten invertierte Brustwarzen, und bei einem Mann trat blutiges Sekret aus der Brustwarze aus.

Im letzteren Fall ergab die Erstuntersuchung eine BI-RADS-3-Läsion. Drei Monate später wurde sie auf BI-RADS 4 heraufgestuft.

Spezifität von 99 Prozent

Lapid und seine Kollegen werteten BI-RADS 1, 2 und 3 als ein negatives Ergebnis. Es trat 548-mal auf: In 547 Krankheitsfällen war dieses Ergebnis mit einem benignen und in einem - dem geschilderten falsch negativen - Fall mit einem malignen Endbefund verknüpft. BI-RADS 4 und 5 galten als positives Resultat: Bei vier Patienten steckte ein bösartiger Tumor und bei fünf Patienten eine gutartige Veränderung dahinter.

Daraus errechneten die Wissenschaftler um Lapid eine Sensitivität der bildgebenden Verfahren von 80 Prozent, eine Spezifität von 99 Prozent, einen positiven Vorhersagewert von 44 Prozent und einen negativen Vorhersagewert von 99,8 Prozent.

Andere pathologische Befunde als eine Gynäkomastie seien in der Brust von Männern sehr selten, und Malignome gingen immer mit Symptomen einher, fassen die holländischen Mediziner ihre Studienergebnisse zusammen.

Daher lautet die Empfehlung der Experten: "Von routinemäßiger Bildgebung bei Gynäkomastien sollte man abraten, die Wahrscheinlichkeit, auf ein inzidentelles Karzinom zu stoßen, ist zu vernachlässigen."

Auch eine weitere Abklärung der Brustsymptome mit Hilfe der Feinnadelaspiration sei nur bei denjenigen Patienten vorzunehmen, bei denen es der BI-RADS-Wert erforderte.

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