Kommentar – Depression nach der Geburt

Mutter-Unglück

Von Beate Schuhmacher Veröffentlicht:

Im „British Medical Journal“ gab es eine lockere Serie zu Erkrankungen, die leicht übersehen werden. Ein Beitrag war der postpartalen Depression (PPD) gewidmet (BMJ 2014; 34: g4500). Das ist keine Kolibri-Erkrankung, sondern eine, die bei etwa jeder zehnten Mutter in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Entbindung neu auftritt und die die Symptome einer Depression aufweist. Für das Übersehen gibt es also andere Gründe.

„Ich habe gelächelt, wie eine Mutter zu lächeln hat“, schreibt eine Frau über die Zeit ihrer unerkannten PPD. Obwohl sie sich traurig, leer und hoffnungslos fühlte, wahrte sie die Fassade der glücklichen Mutter. Scham und Schuldgefühle führen dazu, dass Frauen mit PPD oft keine Hilfe suchen; ein idealisiertes Mutterbild trägt dazu bei, dass andere keine Hilfe anbieten.

Ärzte werden zu Komplizen dieses Verdrängungsprozesses, wenn sie ebenfalls davon ausgehen, dass die Zeit nach der Geburt eines Kindes eine Zeit des Glücks sein muss. Ärzte sollten Frauen in ihren ersten Wochen als Mutter am besten gezielt und routinemäßig, wie das etwa in Großbritannien empfohlen wird, nach Symptomen einer Depression fragen. Nur so können sie verhindern, dass eine für Mutter und Kind bedrohliche Erkrankung weiterhin übersehen wird.

Lesen Sie dazu auch: Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

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