Virologe warnt

Neue Influenza-Pandemie wird kommen!

Die Welt sorgt sich wegen Zika und Ebola - und übersieht dabei die große Bedrohung Influenza, warnt ein Virologe. Er schlägt Alarm: Eine neue Pandemie wird kommen - und darauf vorbereitet ist man nicht.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Globale Bedrohung: Mutierte Influenzaviren haben schon mehrmals Pandemien ausgelöst.

Globale Bedrohung: Mutierte Influenzaviren haben schon mehrmals Pandemien ausgelöst.

© babimu / fotolia.com

MANNHEIM. "Alle sprechen über Ebola- und Zika-Viren. Doch es ist die Influenza, die an die Tür klopft", sagt Professor Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Der bekannte niederländische Virologe und Präsident der European Scientific Working Group on Influenza (ESWI) mahnte beim Internistenkongress verstärkte Bemühungen zur Vorbereitung auf eine Pandemie an.

"Was wir sicher wissen, ist, dass eine neue Influenza-Pandemie kommen wird. Sind wir vorbereitet? Die Antwortet lautet: Nein!"

Osterhaus bemängelte unzureichende Klinikkapazitäten. Während der relativ glimpflich abgelaufenen Influenza-Pandemie 2009 seien die Krankenhäuser in entwickelten Ländern zu fast 100 Prozent ausgelastet gewesen. "Wir haben Glück gehabt", meint Osterhaus.

Die derzeitigen Pandemiepläne berücksichtigten diesen Faktor nur unzureichend.

Impfung zum Schutz

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Die Schutzimpfung bleibt das schärfste Schwert gegen die genetisch äußerst variablen Erreger. Allerdings dauert es im Falle einer Pandemie zu lange, um einen passenden Impfstoff zu entwickeln. Wissenschaftler setzen ihre Hoffnungen auf eine neue Vektorplattform für einen Pandemie-Impfstoff: MVA (modified vaccinia virus Ankara).

Nach Osterhaus‘ Angaben wäre es damit deutlich schneller als mit konventionell hergestellten Impfstoffen möglich, auf eine Pandemie zu reagieren. In Tierstudien ist mit einer MVA-basierten Vakzine eine hohe Immunogenität gegen Influenzaviren und eine gute Sicherheit erreicht worden.

Bestätigt hat sich dies in einer Phase-1/2-Studie bei gesunden Probanden, die damit gegen A/H5N1 geimpft worden waren.

Vogelgrippe bald von Mensch zu Mensch übertragbar?

Das Vogelgrippevirus A/H5N1 zirkuliert seit Jahren weltweit und wird als potenzieller Erreger einer Influenza-Pandemie eingestuft. Von den bislang 600 mit H5N1 infizierten Menschen starben mehr als die Hälfte.

Noch werde das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen, die Infektionen erfolgten meist durch engen Kontakt zu Vögeln. Neuere Forschungsergebnisse sprechen allerdings dafür, dass bei einigen H5N1-Viren nur drei Mutationen ausreichen, die Übertragung zwischen Menschen zu ermöglichen.

Ein weiterer Verdächtiger ist das Vogelgrippevirus A/H5N9. Es führte bei Menschen zu schweren Atemwegserkrankungen, einige der Patienten starben.

Wie sich solche Viren weiter entwickeln werden, ist aufgrund der permanent stattfindenden Punktmutationen und dem Genaustausch zwischen verschiedenen Viren (Reassortment) schwer vorherzusagen. Influenzaviren zirkulieren außer in Wasservögeln und Nutzgeflügel auch in verschiedenen Säugetier-Wirten und überwinden etwa über das Fressverhalten der Tiere Artgrenzen.

Aus niedrig pathogenen Influenzaviren können sich dann plötzlich hochpathogene Erreger entwickeln. Osterhaus forderte eine noch stärkere internationale Kooperation und Koordination diverser Aktivitäten von der Identifikation kritischer Influenzaviren bei Mensch und Tier über Studienplattformen bis hin zu Präventions- und Therapieoptionen sowie Kommunikationsstrategien.

Lesen Sie dazu auch: Bundesweit: Die Grippewelle ist vorüber

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