Starke LDL-Senkung

PCSK9-Hemmer – Kein Risiko für neurokognitive Effekte

Eine starke LDL-Senkung wurde wiederholt mit unerwünschten neurokognitiven Effekten in Verbindung gebracht. Bisher ließ sich das nicht verifizieren. Auch für den PCSK9-Hemmer Alirocumab gibt eine Metaanalyse jetzt Entwarnung,

Veröffentlicht: 11.12.2017, 05:44 Uhr

MIAMI. Gemessen am Ausmaß der LDL-Senkung sind Antikörper gegen PCSK9 das schärfste Schwert zur Kontrolle einer Hypercholesterinämie bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten. Je nach Studie verringern sie die LDL-Spiegel um die Hälfte und mehr. Wie auch Statine werden PCSK9-Hemmer deswegen immer wieder mit neurokognitiven Störungen in Verbindung gebracht.

Statine bereits entlastet

Harte Daten, die das belegen würden, gibt es aber nicht. Für Statine liegen mittlerweile mehrere Cochrane-Metanalysen vor, die auch im langjährigen Verlauf keinen Hinweis auf eine Häufung kognitiver Defizite sehen. Für den PCSK9-Hemmer Evolocumab hat die Anfang 2017 vorgestellte EBBINGHAUS-Studie, eine Substudie der Zulassungsstudie FOURIER mit knapp 2000 Patienten, über einen Zeitraum von 19 Monaten kein erhöhtes Risiko für kognitive Störungen gefunden.

Im "European Heart Journal" gibt es jetzt weitere Daten, diesmal zu dem PCSK9-Hemmer Alirocumab (Eur Heart J. 2017; online 27. November). Experten um den Psychiater Professor Philip Harvey von der Miller School of Medicine der Universität in Miami haben 14 randomisierte Phase-II- und Phase-III-Studien einer Metaanalyse unterzogen, und zwar unter Auswertung der individuellen Patientendaten. Die Daten von 3340 Patienten mit Alirocumab-Therapie, die im Mittel etwas über ein Jahr lang und maximal zwei Jahre lang behandelt wurden, flossen in die Analyse ein.

Untersuchungszeitraum noch kurz

Die Wissenschaftler unterscheiden Studien, in denen Alirocumab mit Placebo und solche, in denen Alirocumab mit Ezetimib verglichen wurde. In den placebokontrollierten Studien berichteten 0,9 Prozent der Patienten unter Alirocumab und 0,7 Prozent unter Placebo über neurokognitive Störungen. Das war weit von jeder statistischen Signifikanz entfernt.

In den Ezetimib-Studien berichteten 1,2 Prozent der Alirocumab-Patienten und 1,3 Prozent der Ezetimib-Patienten über neurokognitive Probleme. Auch daraus lässt sich nicht ableiten, dass die weit stärkere LDL-Senkung mit Alirocumab spezifische kognitive Probleme nach sich zieht. Die Einschränkung bleibt, dass es sich hier, wie auch bei Evolocumab, bisher um vergleichsweise kurzfristige Untersuchungszeiträume handelt. (gvg)

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