Radioaktive Mikrokügelchen zerstören Leberkrebs

MÜNCHEN (cin). Bei der Behandlung von Leberkrebs-Patienten kommt die selektive Interne Radiotherapie (SIRT) immer mehr zum Zuge. Die Methode war gerade ein wichtiges Thema beim Radiologenkongreß CIRSE in Rom. Bei SIRT werden radioaktiv beladene Mikrokügelchen in Tumorarterien injiziert und sammeln sich in den Herden, die so direkt von innen bestrahlt werden. Seit Januar übernehmen die Kassen die Behandlung.

Veröffentlicht:

Mit dem Verfahren könne die Überlebenszeit von Betroffenen verlängert werden, sagte Dr. Tobias Jakobs von der Uniklinik München zur "Ärzte Zeitung".

Er verwies auf eine australische Studie mit 21 Patienten mit Lebermetastasen bei Kolorektal-Ca (J Surg Oncol, 88, 2004, 78): Zehn Patienten erhielten eine systemische Chemotherapie mit Fluorouracil und Leucovorin. Weitere elf Teilnehmer wurden zusätzlich mit SIRT behandelt. Die mediane Überlebenszeit verlängerte sich bei den Patienten mit Chemo und SIRT um 29,4 Monate, bei alleiniger Chemo nur um 12,8 Monate.

An der LMU München sind vom Team um Professor Maximilian Reiser, Institut für Klinische Radiologie, und Professor Klaus Tatsch, Klinik für Nuklearmedizin, seit 2003 mehr als 60 Patienten erfolgreich mit SIRT behandelt worden, sagte Jakobs. Weltweit seien es über 3000.

Wie funktioniert SIRT? Über eine Leistenarterie wird ein Katheter in tumorversorgende Gefäße der Leber gebracht. Kleine, mit 90-Yttrium beladene Mikrokügelchen mit einem Durchmesser von 20 bis 40 µm werden in die Gefäße injiziert und bleiben im Kapillarbett des Tumors stecken. Diese Embolisationen und die Strahlung schädigen das Tumorgewebe.

Nach Angaben der Uni München liegt der Vorteil des Beta-Strahlers Yttrium in seiner geringen Reichweite von etwa 1 cm im Weichgewebe. Schäden an benachbarten Geweben können so reduziert werden.

Indiziert ist SIRT bei primären Tumoren, etwa dem hepatozellulären oder cholangiozellulären Karzinom, sowie bei sekundären Tumoren, etwa Metastasen von kolorektalen oder Mamma-Karzinomen.

Zudem sollte nach Angaben der Münchener Ärzte eine operative Entfernung nicht möglich sein, und etablierte Verfahren wie die Chemotherapie sollten keine oder nur eine begrenzte Wirkung auf den Tumor haben. Zu den Kontraindikationen zählen eine Bestrahlung der Leber, Aszites, Pfortaderthrombosen und eine Tumormanifestation außerhalb der Leber.

Weitere Informationen zu SIRT: www.radiologie-lmu.de und dann auf den Link SIRT klicken.

Auf www.sirtex.com/german/home nennt Sirtex, Hersteller der Mikrokügelchen, derzeit zwei deutsche Zentren, die SIRT anbieten: die LMU München und die Uni Aachen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Update der Phase-III-Studie INAVO120

Kinasehemmer verlängert Leben bei PIK3CA-Brusttumoren um ein Drittel

Umfrage in deutschsprachigen Kliniken

Frailty-Assessment bei Krebspatientinnen oft mangelhaft

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt erläutert seinem Patienten mit Fettlebererkrankung anhand eines Anatomiemodell der Leber die prognostischen Risiken.

© manassanant / stock.adobe.com

Hepatisches Risiko erhöht

Schlank und MASLD – das macht der Leber schwer zu schaffen

Eine Hand lehnt demonstrativ eine Spritze ab.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!