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Kinder mit schwerer Grippe

Rasche NAI-Therapie verbessert Überlebenschancen

Kinder und Jugendliche mit einem schweren Influenza-Verlauf profitieren von früher Therapie mit Neuraminidasehemmern. Die Überlebenschancen auf der Intensivstation werden damit signifikant verbessert.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Ärztin und besorgte Mutter bei einem Kind am Krankenbett in der Klinik.

Ärztin und besorgte Mutter bei einem Kind am Krankenbett in der Klinik.

© photos.com PLUS

RICHMOND. Zum Einsatz von Neuraminidasehemmern (NAI) bei schweren Influenza-Verläufen ist die Datenlage bislang unbefriedigend.

Für die Therapie bei Kindern haben nun Experten vom California Department of Public Health (CDPH) aktuelle Daten vorgelegt (Pediatrics 2013; online 25. November).

Danach kann eine rasch eingeleitete NAI-Therapie die Überlebenschancen bei Kindern mit schwerem Influenza-Verlauf offenbar signifikant verbessern, berichten Dr. Janice K. Louie vom CDPH in Richmond und ihre Kollegen.

Studie von US-Gesundheitsbehörden

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ohne Industriebeteiligung durchgeführt.

Daran beteiligt waren 784 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren, die zwischen April 2009 und September 2012 nachweislich an Influenza (H1N1) erkrankt waren und deswegen intensiv stationär behandelt werden mussten oder an den Folgen der Infektion gestorben waren.

83 Prozent der Kinder hatte man antiviral behandelt, im Durchschnitt fünf Tage lang. Von den behandelten Kindern waren 6 Prozent gestorben, von den unbehandelten 8 Prozent (OR = 0,67).

Kinder, die künstlich beatmet werden mussten, hatten das höchste Sterberisiko (OR = 81,9), sie profitierten aber auch am deutlichsten von einer NAI-Therapie (OR = 0,38). Insgesamt waren 49 Kinder gestorben; alle hatten vor ihrem Tod eine künstliche Beatmung erhalten.

Deutlich verbesserte Überlebens-Chancen

255 der antiviral behandelten Patienten hatten die NAI-Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn begonnen. Davon fielen 3,5 Prozent der Influenza zum Opfer.

Von den Kindern, die die Medikamente frühestens zwei Wochen nach Symptombeginn erhalten hatten, starben dagegen 26,1 Prozent. Die Abnahme der Mortalitätsrate bei frühem Therapiebeginn war statistisch hochsignifikant.

Auch eine Multivariat-Analyse zeigte einen deutlichen Vorteil für die mit NAI behandelten Kinder (OR = 0,36). Die Autoren hatten in diesem Rechenmodell sowohl künstliche Beatmung als auch Komplikationen, wie zum Beispiel Pneumonie oder sekundäre bakterielle Infektionen einbezogen.

"Mit dem zurückhaltenden Einsatz von Neuraminidasehemmern, wie wir ihn in letzter Zeit beobachten, setzen wir schwer kranke Kinder einem erhöhten Sterberisiko aus", warnen nun Louie und Kollegen. Ein rascher Therapiebeginn sei in kritischen Fällen essenziell.

Die Autoren verweisen auf die letzte H1N1-Pandemie von 2009; in dieser Saison war der Anteil schwerer Verläufe vor allem bei Kleinkindern unter zwei Jahren unverhältnismäßig hoch gewesen.

Während 2009 noch 90 Prozent der schwer erkrankten Kinder eine antivirale Therapie erhalten hatten, waren es in den Jahren danach nur noch zwei Drittel.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Oseltamivir für die Zeit der Pandemie für Kinder unter einem Jahr freigegeben. Seit Dezember 2012 gilt die FDA-Empfehlung für Kinder ab einem Alter von 14 Tagen. Gemäß CDC können NAI aber auch noch jüngeren Säuglingen verabreicht werden.

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