Sphinkterschäden oder Harninkontinenz

Schwangerschaft ist eine wichtige Ursache von Stuhlinkontinenz

Bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland haben nach Schätzungen eine Stuhlinkontinenz. Häufigste Ursachen sind Schwangerschaft und Geburt.

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MANNHEIM „Die Dunkelziffer ist sehr hoch, da viele Patienten aus Scham keinen Arzt aufsuchen“, sagte Prof. Dr. Markus W. Büchler beim Jahreskongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft in Mannheim. Häufigste Ursache für die Stuhlinkontinenz ist Büchler zufolge „das Kinderkriegen“.

So treten nach seinen Angaben durch die natürliche Geburt bei bis zu einem Viertel der Frauen Schädigungen des Schließmuskels auf, die später zu Stuhlinkontinenz führen könnten. Besonders hoch sei das Risiko für Sphinkterschäden nach einem Dammriss.

Zunächst zeige sich die Schließmuskelschwäche noch nicht, sagte Büchler. Erst Jahre später könne sie sich dann bemerkbar machen. Ob allerdings eine Sectio die Inkontinenzrate zu senken vermag, sei derzeit noch umstritten, gab der Chirurg aus Heidelberg zu bedenken.

Eine weitere Ursache der muskulären Inkontinenz ist eine funktionell eingeschränkte Beckenbodenmuskulatur - etwa durch eine altersbedingte Erschlaffung oder infolge von Schwangerschaften. Hiervon seien Frauen naturgemäß häufiger betroffen.

Um Sphinkterschäden oder Harninkontinenz bei Frauen vorzubeugen sei man heute bestrebt, die Zahl der prophylaktischen Dammschnitte bei Spontangeburten restriktiver einzusetzen, sagte der Mainzer Gynäkologe Professor Heinz Kölbl. Heute wisse man nämlich, dass mit dieser Maßnahme einer Beckenbodenschwäche oder einer Harninkontinenz nicht vorgebeugt werde, wie man dies früher geglaubt habe. Stattdessen wird die Entstehung dadurch sogar eher gefördert.

Bei der Stuhlinkontinenz könne man 80 Prozent der Patienten helfen, betonte Büchler: „Meist reichen konservative Methoden wie Ernährungsumstellung, Toilettentraining, Beckenbodengymnastik, medikamentöse Stuhlregulation oder Biofeedbacktraining aus“.

Machen die Patienten etwa das Beckenbodentraining konsequent täglich 20 bis 30 Minuten, so liege die Erfolgsrate bei 60 bis 90 Prozent, sagte Büchler. „Die Patienten müssen es nur tun!“ Als invasive Therapiemöglichkeiten biete sich seit einigen Jahren die sakrale Nervenstimulation des Schließmuskels an mit dem Ziel, einen höheren Ruhetonus zu erreichen. (bd)

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