Krebsvorsorge

So hoch ist das Darmkrebs-Risiko in Prozenten

Welche Faktoren zum Darmkrebs-Risiko beitragen, ist bekannt. Forscher des DKFZ haben jetzt jedoch untersucht, wie sich diese Faktoren in absoluten Zahlen niederschlagen.

Von Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Die Koloskopie bleibt das wichtigste Vorsorgemittel für die Darmkrebs-Prävention.

Die Koloskopie bleibt das wichtigste Vorsorgemittel für die Darmkrebs-Prävention.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Heidelberg. Wie stark sich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, durch Vorsorge und einen gesunden Lebensstil verringern lässt, haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ermittelt.

Die Forscher verglichen die einzelnen Faktoren, die das Risiko beeinflussen, und errechneten das durchschnittliche 30-Jahres-Risiko für 50-jährige Männer und Frauen, am kolorektalen Karzinom zu erkranken (Gastroenterol 2020; online 14. März).

Die Forscher um Dr. Michael Hoffmeister vom DKFZ analysierten dazu die Daten von mehr als 4200 Menschen mit Darmkrebs und mehr als 3300 Kontrollpersonen und berechneten das absolute Risiko, ab dem 50. Geburtstag innerhalb von 30 Jahren an Darmkrebs zu erkranken.

„Absolute Risiken sind in der Kommunikation, zum Beispiel zwischen Arzt und Patient, meist leichter zu vermitteln als relative Risiken“, begründet Hoffmeister die Herangehensweise in einer Mitteilung des DKFZ zur Studie.

Risiko lässt sich immer senken

Im Ergebnis hat zum Beispiel ein 50-jähriger Mann mit hohem genetischen Risiko, einem ungesunden Lebensstil und keiner Vorsorge-Koloskopie ein geschätztes absolutes Risiko von 13,4 Prozent, innerhalb der nächsten 30 Jahre an Darmkrebs zu erkranken. Anders ausgedrückt: Von 100 Männern mit diesem Risikoprofil werden 13 bis 14 innerhalb von 30 Jahren an Darmkrebs erkranken.

Die Auswertung demonstrierte aber auch, wie sich das Risiko verringern lässt: Ändert oben erwähnter Mann seinen Lebensstil hin zu einem gesünderen, sinkt sein Risiko auf 7,6 Prozent, kombiniert mit einer Koloskopie auf 2,6 Prozent. Bei Frauen beträgt das geschätzte Risiko 10,6 Prozent bei hohem genetischen Risiko, ungesundem Lebensstil und ohne Koloskopie. Bei einem gesunden Lebensstil sinkt das Risiko auf 5,5 Prozent, mit zusätzlicher Koloskopie auf 2,1 Prozent.

Gesunder Lebensstil verringert Risiko

„Das wichtigste Ergebnis unserer Studie war, dass sich selbst bei Menschen mit erhöhtem genetischen Risiko die Gefahr, tatsächlich an Darmkrebs zu erkranken, durch die Darmspiegelung und einen gesunden Lebensstil drastisch verringerte“, wird Dr. Prudence Carr, Erstautorin der Studie, in der Mitteilung zitiert.

Darmkrebs ist derzeit in Deutschland bei Männern dritthäufigste, bei Frauen sogar die zweithäufigste Krebserkrankung, erinnert das DKFZ. Zu den Risikofaktoren dafür zählen Rauchen, Übergewicht, Ernährung sowie Bewegungsmangel. Demgegenüber steht die Vorsorge-Koloskopie, mit der sich Krebsvorstufen aufspüren lassen. Das Entfernen dieser Vorstufen könne das Darmkrebsrisiko entscheidend senken.

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