EULAR 2021

Spondyloarthritis-Patienten tun sich schwer, ihren Rückenschmerz einzuordnen

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Der Rücken schmerzt. Aber was ist das für ein Schmerz? Ist er entzündlich oder strukturell bedingt?

Der Rücken schmerzt. Aber was ist das für ein Schmerz? Ist er entzündlich oder strukturell bedingt?

© BillionPhotos.com / stock.adobe.com

Zürich. Klagen Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) über Schmerzen, stellt sich immer die Frage: Ist dies auf strukturelle Folgeschäden, wie Ankylosen, zurückzuführen, oder ist die Rheumaerkrankung entzündlich aktiv? Dies hätte durchaus therapeutische Konsequenz. Da Entzündungswerte nicht immer wegweisend sind – vor allem bei Psoriasisarthritis –, wäre es praktisch, wären Patienten selbst in der Lage, die beiden Schmerzformen zu unterscheiden. Einer niederländischen Studie von Dr. Anne Kampman und Kollegen zufolge ist das wohl nicht der Fall. Die Rheumatologin vom Medisch Center Leeuwarden stellte ihre Daten jetzt beim Jahreskongress der European League Against Rheumatism (EULAR) vor.

In die Beurteilung der axSpA-Krankheitsaktivität, die in der Regel mit dem Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) oder dem Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS) erfasst wird, gehen überwiegend, beim BASDAI ausschließlich, subjektive Angaben der Patienten ein. Unter anderem zu Schmerzen. Ein Teil der Patienten weist daher, trotz antientzündlicher Therapie, konstant erhöhte Aktivitätsscores auf.

Patienten äußerten sich zu Ausmaß und Ursache der Schmerzen

„Frühere Forschung hat gezeigt, dass auch andere Schmerzmechanismen, wie eine zentrale Sensibilisierung, eine Rolle bei dem Schmerz, den Patienten erfahren, spielen können“, räumte Kampman ein. Doch die waren nicht Gegenstand der Querschnittsanalyse, die die Wissenschaftler im Rahmen einer prospektiven Langzeitbeobachtungsstudie der Groningen Leeuwarden Axial Spondyloarthritis (GLAS)-Kohorte vornahmen. Zunächst wurden die Patienten aufgefordert, das Ausmaß ihrer Schmerzen in Nacken, Rücken oder Hüften auf einer numerischen Analogskala anzugeben. Dann vermerkten sie auf einer weiteren, in welchem Maße die Schmerzen ihrer Meinung nach entzündlich oder strukturell verursacht waren.

Von 688 berücksichtigten Patienten sahen sich drei Viertel nicht in der Lage, dies zu differenzieren. 15 Prozent entschieden sich für eine entzündliche, zehn Prozent für eine mechanische Ursache.

Korrelationen mit Anamnese und klinischen Befunden

Soweit Patienten eine Differenzierung vornahmen, korrelierte dies weitgehend mit Anamnese und klinischen Befunden. Patienten, die glaubten, ihre Beschwerden seien strukturell bedingt, waren mit durchschnittlich rund 49 Jahren signifikant und im Mittel neun Jahre älter als die, die aufgrund ihrer subjektiven Entscheidung der Entzündungsgruppe zugeordnet wurden. Patienten in der Strukturschaden-Gruppe waren mit durchschnittlich 28 gegenüber 12 Jahren bereits länger krank. Entsprechend schlechter waren auch die meisten ihrer Bewegungsausmaße, vor allem Hinterhaupt-Wand-Abstand und Halswirbelsäulenrotation. Die Unterschiede beim modifizierten Schober-Test waren nicht signifikant.

Patienten in der Entzündungsgruppe erzielten signifikant höhere Scores bei ihrer eigenen subjektiven globalen Krankheitsaktivitäts-Einschätzung und beim ASDAS. In den floss der CRP-Wert ein, der allerdings für sich genommen in beiden Gruppen ähnlich war. Unterschiede beim BASDAI ergaben sich nur bei der Bewertung der Schmerzen in Nacken, Rücken und Hüften, nicht aber beim Gesamt-Score. Die Bildgebungsbefunde passten bei Patienten mit vermuteter entzündlicher Schmerzursache übrigens durchaus zu ihrer Einschätzung. Kampman: „Sie hatten auch häufiger die Diagnose einer nicht-radiologischen axialen Spondyloarthritis.“ 40 Prozent waren das, in der Strukturschaden-Gruppe aber nur 13 Prozent.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Infektprophylaxe in der Rheumatologie

Keine Angst vor Rheumaschüben nach Grippeimpfung!

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?