Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Indikationen

Stoßwellentherapie – Wie und wann sie funktioniert

Die Stoßwellentherapie ist eine bewährte Methode bei Fersensporn, Tennisellenbogen und Kalkschulter. Sie eignet sich aber auch bei der Achillessehnentendinitis und einer ersten Studie nach zur Behandlung bei Spastik nach Schlaganfall.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:
Schmerzen wegen einer Epicondylitis: Patienten profitieren bei Stoßwellentherapie offenbar mehr von Impulsen niedriger Energie.

Schmerzen wegen einer Epicondylitis: Patienten profitieren bei Stoßwellentherapie offenbar mehr von Impulsen niedriger Energie.

© evgenyatamanenko / Fotolia

BERLIN. Die Therapie mit Stoßwellen oder Druckwellen hat sich rasant entwickelt und bietet auch aufgrund des breiten therapeutischen Fensters vielfältige Anwendungsmöglichkeiten – Grund für ein Update zu alten und neuen Indikationen.

Die Erfolge der Stoßwellentherapie sind auf deren vielfältige Wirkungen zurückzuführen. Dazu gehören laut Dr. Wolfgang Schaden, dem weltweit anerkannten Pionier der Methode vom Stoßwellenzentrum Wien: Permeabilitätsänderungen der Zellmembran, eine vermehrte ATP-Produktion durch Aktivierung der Mitochondrien, ein bakterizider und entzündungshemmender Effekt, die Ausschwemmung von Substanz P, die Angio- und Vaskulogenese, die Freisetzung von NO und Wachstumsfaktoren (zum Beispiel VEGF) sowie die Beeinflussung von Migration, Differenzierung und ‚homing‘ von Stammzellen. Eine durch fokussierte elektrohydraulische Stoßwellen (ESTW) vermittelte Mechanotransduktion ist für die Stimulation der biologischen Regeneration verantwortlich.

Bewährte und neue Indikationen

In seinem Update beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin stellte Privatdozent Dr. Jörg Hausdorf, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, Ergebnisse aktueller Studien zu bewährten und neuen Indikation für eine Stoßwellentherapie vor:

-Epicondylitis: In dieser seit 20 Jahren bewährten Indikation scheint eine Behandlung mit 3 x 1000 Impulsen niedriger Energie (0,10 mJ/mm2) zu einem besseren 12-Wochen-Ergebnis zu führen als 3 x 1000 Impulse einer höheren Energie (0,25 mJ/mm2).

-Tendinosis calcarea: Nicht nur bei der Kalkschulter, sondern auch bei Rotatorenmanschetten-Tendopathie ohne Kalk kann durch eine Stoßwellentherapie eine gegenüber Placebo signifikante Schmerzreduktion erzielt werden. Beim subachromialen Schmerzsyndrom mit/ohne Kalk, jeweils kombiniert mit Physiotherapie, bringt die gezielte Behandlung einzelner Sehnen keinen Erfolg. Auch eine zusätzlich zur Stoßwellentherapie durchgeführte exzentrische Trainingstherapie ist ohne Zusatznutzen.

-Fasziitis plantaris: In der aus Sicht von Hausdorf weiterhin besten Indikation für eine Stoßwellentherapie konnte der Nutzen auch in der akuten Situation belegt werden. Diese Behandlungsmethode sollte also nicht nur im Sinne der ultima ratio eingesetzt werden. Therapieassoziierte Komplikationen gibt es keine. Es ist für den Therapieerfolg unerheblich, ob einfach dort geschallt wird, wo es weh tut, oder der Kalk zuvor mittels Ultraschall lokalisiert wird.

-Neue Indikationen: Bei der Achillessehnentendinitis führt die elektrohydraulische Stoßwellentherapie zu einer signifikanten und mit der Injektion von PRP (platelet rich plasma) vergleichbaren Verbesserung der Symptomatik. Bei der Gonarthrose ist das Bild noch uneinheitlich. Die Rückbildung von schmerzhaften Knochenmarködemen kann offenbar durch die ESTW beschleunigt werden. Und nicht zuletzt eignet sich die Stoßwellentherapie einer ersten Studie nach auch zur Behandlung bei Spastik nach Schlaganfall.

Effekte der Stoßwellentherapie

- Permeabilitätsänderungen der Zellmembran

- vermehrte ATP-Produktion durch Aktivierung der Mitochondrien

- bakterizider und entzündungshemmender Effekt

- Ausschwemmung von Substanz P

- Angio- und Vaskulogenese

- Freisetzung von NO und Wachstumsfaktoren

- Beeinflussung von Migration, Differenzierung und ‚homing‘ von Stammzellen

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

JAK-Inhibitor

Alopecia areata: Rote-Hand-Brief zu Ritlecitinib

Mögliche frühe Manifestation

Erst das trockene Auge – dann die Autoimmunerkrankung?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Veränderung gegenüber dem Ausgangswert im WOMAC-Gesamtscore (a) und im VAS-Schmerz (b) nach zwei Monaten und im weiteren Verlauf

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Osteoarthrose

Aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit der intraartikulären Hyaluronsäure

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Recordati Pharma GmbH, Ulm
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an

Nichtinfektiösen Durchfall erkennen

Das sind die Warnzeichen für chronische Diarrhö

Lesetipps
Ärztin mit Patientem

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Dermatologin Yael Adler gibt Tipps

Wie man Hypochondern in der Praxis am besten begegnet

Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Biopsychosozial vorgehen!

So unterstützen Sie Ihre Patienten bei funktionellen Körperbeschwerden

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram