Stuhltest auf Tumorenzym zur Früherkennung

MÜNCHEN (wst). Ein seit drei Jahren verfügbarer Stuhltest, der die tumortypische M2-Pyruvatkinase nachweist, könnte helfen, gezielt Patienten von einer Koloskopie zu überzeugen. Die Spezifität des Tests für Neoplasien wie Polypen und Krebs im Dickdarm ist hoch.

Veröffentlicht:

Würden alle Menschen ab dem vollendeten 55. Lebensjahr Screening-Koloskopien nutzen, könnten Kolonkarzinome oder ihre Vorstufen fast immer bereits in heilbaren Frühstadien diagnostiziert werden. Daran hat der Gastroenterologe Professor Ulrich Klör vom Universitätsklinikum Gießen bei einer Veranstaltung in München erinnert. Die Darmkrebs-Sterblichkeit könnte damit massiv reduziert werden, betonte Klör.

Um so bedauerlicher sei es, dass seit Einführung der Screening-Koloskopie 2002 inzwischen wieder weniger Berechtigte das Angebot nutzen. Derzeit sind es nur etwa fünf Prozent, so Klör bei der vom Unternehmen ScheBo® Biotech unterstützten Veranstaltung. Kämen andererseits alle Berechtigten zur Koloskopie, so würde die derzeitige Kapazität nicht ausreichen, um einen solchen Ansturm zu bewältigen.

"Wir brauchen deshalb ein niederschwelliges, gut akzeptiertes und dennoch zuverlässiges Screening-Verfahren im Vorfeld der Koloskopie", sagte Klör. Tests zum Nachweis von Blut im Stuhl seien keine wirkliche Alternative zum M2-Pyruvatkinase-Test, da Kolonkarzinome nur unregelmäßig und oft erst in einem Spätstadium bluteten. Folglich würden damit nur 20 bis 30 Prozent dieser Karzinome erkannt.

Mit einer Sensitivität von 92 Prozent bei Kolonkarzinomen und 60 Prozent für Dickdarmpolypen bei einem Polypen-Durchmesser über 1 cm (25 Prozent bei einem Durchmesser unter 1 cm) sei dagegen der M2-PK™-Stuhltest weitaus zuverlässiger, so Klör. Er funktioniert unabhängig davon, ob der Tumor oder seine Vorstufen bluten. Denn die mit dem Test nachgewiesene M2-Pyruvatkinase im Stuhl wird aus neoplastischen Geweben verstärkt freigesetzt. Die Spezifität liege bei 92 bis 95 Prozent und sei damit hoch genug, um jedem positiv getesteten Patienten dringlichst eine Koloskopie anzuraten.

Nicht erkannt werden mit dem Test Tumoren im distalen Rektum. Hier sei die Kontaktzeit mit dem Stuhl zu kurz. Zudem sei der Stuhl meist zu fest, sodass er nicht homogen genug und mit ausreichenden Mengen von M2-Pyrovatkinase durchmischt werden kann. Die rektale digitale Austastung ist deshalb auch beim Einsatz des neuen Tests ein grundsätzliches Muss, betonte Klör. Der Test ist eine Selbstzahlerleistung und kostet um 28 Euro.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Person mit weißer Pille in der rechten Hand und Glas Wasser in der linken Hand

© fizkes - stock.adobe.com

Acetylsalicylsäure in der Onkologie

ASS schützt Senioren langfristig wohl nicht vor Krebs