Muskelschmerzen

Verspannungen vorbeugen: Bewegung ist das A und O

Entspannung und Lockerung, dann gezieltes Bewegungstraining – das ist das Therapieprinzip bei Muskelverspannungen.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Erste physiotherapeutische Aufgabe bei Patienten mit Verspannungen ist es, die Muskulatur zunächst zu lockern und zu dehnen.

Erste physiotherapeutische Aufgabe bei Patienten mit Verspannungen ist es, die Muskulatur zunächst zu lockern und zu dehnen.

© Herbie / Fotolia

„Auf allen vieren zur Toilette“ beschreiben Travell und Simons in ihrem „Handbuch der Muskel-Triggerpunkte“ die Auswirkungen eines akuten Syndroms des Musculus (M). quadratus lumborum. Wieder in Bewegung kommen und die schmerzfreie Funktion – das sind die Therapieziele bei Muskelverspannungsschmerzen.

„Bei einem verspannten Muskel sind die Sarkomere und Muskelfilamente miteinander verklebt (tight bands) und bilden schmerzhafte Knoten und Triggerpunkte“, erklärt Dr. Oliver Emrich, Schmerztherapeut aus Ludwigshafen. In diesen Knoten herrsche ein anaerober Stoffwechsel mit Anfall saurer Metabolite.

Der Übersäuerung und der Kontraktionssituation wird mit Wärme, Dehnung, mit oralen Medikamenten oder Lokalanästhesie entgegengewirkt. Dann lässt sich die betroffene Muskelgruppe krankengymnastisch besser oder überhaupt erst beüben.

Vorsicht bei älteren Patienten!

Ist der verspannte Muskel identifiziert, können die Triggerpunkte mit Akupunkturnadeln angestochen oder mit einem Lokalanästhetikum angespritzt werden, um danach eine Dehnung auszuführen. Außerdem kann zum Beispiel ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) wie Ibuprofen oder ein Coxib verordnet werden, wenn keine Kontraindikation besteht.

Emrich verordnet das NSAR zunächst für ein bis zwei Tage, dann sollte die Dosis schrittweise reduziert werden, angepasst an das Schmerzempfinden. Gegebenenfalls können kurzzeitig Muskelrelaxanzien wie Methocarbamol und Pridinol zum Einsatz kommen, die für schmerzhafte Muskelverspannungen zugelassen sind.

Bei einem verspannten Muskel sind die Sarkomere und Muskelfilamente miteinander verklebt und bilden schmerzhafte Knoten und Triggerpunkte.

Dr. Oliver Emrich, Schmerztherapeut in Ludwigshafen

Bei älteren Patienten rät Emrich vor allem auch wegen der anticholinergen Effekte Müdigkeit, Benommenheit und Schwindel und damit verbundener Sturzgefahr zur Vorsicht. Weitere entspannende Maßnahmen sind die Wärmeapplikation mit Fangopackungen, Rotlicht, warmen Bädern oder auch TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) und radiale Stoßwellentherapie bei starken Verhärtungen.

Bewegungsmangel ist Hauptgrund

Erste physiotherapeutische Aufgabe ist es, die Muskulatur zunächst zu lockern und zu dehnen. Im zweiten Schritt folgt Krankengymnastik mit gezielten Bewegungen, um normale Bewegungsmuster wieder einzuüben. Der dritte Schritt ist Krankengymnastik am Gerät sowie der Aufbau von Muskelkraft durch Ausdauer, verbunden mit gymnastischen Übungen.

Bewegungsmangel ist einer der Hauptgründe, warum Menschen immer mehr an Muskelverspannungsschmerzen leiden. „Ich gebe meinen Patienten stets ein Merkblatt für Bewegungsübungen mit oder demonstriere wichtige Übungen vor und mit dem Patienten“, sagt Emrich.

Bewegung ist das A und O, um Muskelverspannungen vorzubeugen. Überforderung in Richtung einer anaeroben Situation soll dabei vermieden werden. Richtig ist ein altersangepasstes, aerobes Intervalltraining in einer Bewegungsform, die beherrscht wird und Freude macht. Bei der Ernährung ist auf ausreichende Versorgung mit Elektrolyten und Vitaminen zu achten.

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