Direkt zum Inhaltsbereich

Osteoporose

Vitamin D stärkt gesunde Knochen nicht

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel erhöht das Risiko für Knochenbrüche - das ist bekannt. Lässt sich im Umkehrschluss die Knochendichte steigern, wenn man zusätzlich Vitamin D einnimmt? Nein, haben jetzt neuseeländische Forscher herausgefunden.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Die Autoren der Studie raten von der generellen Supplementation von Vitamin D bei gesunden Erwachsenen ab.

Die Autoren der Studie raten von der generellen Supplementation von Vitamin D bei gesunden Erwachsenen ab.

© photos.com

AUCKLAND. Niedrige Vitamin-D-Spiegel stehen nachgewiesenermaßen in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Frakturen und Stürze. Präventiv rät man daher vor allem Senioren über 60, auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung zu achten.

Als Zielwert gilt eine 25-Hydroxy-Vitamin-D-(OHD)-Konzentration im Serum von 75 nmol/l (30 ng/ml) - ein Wert, der nach Schätzungen von bis zu 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Europa nicht erreicht wird.

Ob eine Vitamin-D-Supplementation für sich genommen das Frakturrisiko nennenswert beeinflussen kann, ist allerdings nach wie vor umstritten.

23 Studien mit 4000 Teilnehmern ausgewertet

Gegen den breiten Einsatz von Vitamin-D-Präparaten zur Osteoporose-Prävention in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung haben sich nun die Autoren einer Metaanalyse ausgesprochen (Lancet 2013, online 11. Oktober).

Wie die Neuseeländer um Ian R. Reid von der Universität Auckland berichten, sind die Ergebnisse aus 23 Studien mit über 4000 Teilnehmern, davon 92 Prozent Frauen, in der Summe enttäuschend: In nur fünf Studien zeigte sich ein Nutzen einer im Schnitt zweijährigen Vitamin-D-Supplementation im Hinblick auf die Knochendichte; das Signifikanzniveau wurde dabei nur knapp überschritten.

In vier dieser Studien beschränkte sich der Effekt auf eine Stelle, nämlich den Oberschenkelhals: Hier stieg die Knochendichte unabhängig von einer zusätzlichen Kalziumzufuhr im Schnitt um 0,8 Prozent.

An sämtlichen anderen in den Studien verwendeten Messpunkten - Hüfte gesamt, Trochanter, Lendenwirbelsäule, Radius - blieb die Supplementierung ohne nennenswerten Effekt. Zwei Studien hatten gar einen negativen Effekt im Ganzkörperscan gezeigt.

Trotz starkem Anstieg der Serumwerte oft kein Effekt

Die Teilnehmerinnen waren im Schnitt 59 Jahre alt. Bei der überwiegenden Zahl gehen die Autoren von einer ausreichenden Kalziumzufuhr über die Ernährung aus.

Der Ausgangswert für den 25-OHD-Serumspiegel war in vielen Fällen relativ niedrig, gerade in Studien, die einen positiven Effekt der Supplementation nachgewiesen hatten (26 bzw. 29 bzw. 36 nmol/l).

Insgesamt lag die Serumkonzentration zu Beginn in acht Studien unter 50 nmol/l. In der Hälfte dieser Studien ergab sich kein positiver Effekt einer Supplementation, obwohl die Serumwerte insgesamt von 53 auf 92 nmol/l stiegen.

Gut die Hälfte der Teilnehmer (n = 2294) hatte Vitamin-D-Dosen von weniger als 800 IE pro Tag erhalten. In drei der positiven Studien waren Dosen von 400 IE eingesetzt worden. Höhere Dosierungen blieben meist ohne Effekt.

Die Autoren sehen denn auch keine Grundlage für die in den letzten Jahren vielfach propagierte Hochdosistherapie mit 1000 IE pro Tag. Im Gegenteil: Vergleichsstudien hätten eher einen Vorteil für niedrigere Dosierungen gezeigt.

Vitamin-D-Effekt nur im Zusammenhang mit Kalziumaufnahme

Die Vitamin-D-Supplementation zur Osteoporose-Prophylaxe sollte Patienten mit erhöhtem Risiko für einen Vitamin-D-Mangel vorbehalten bleiben, fordern die Experten.

Gesunde Erwachsene mit ausgeglichenem Kalziumhaushalt, so die Quintessenz, benötigen diese Maßnahme nicht, um ihr Osteoporoserisiko zu senken.

Darüber, ob man über den Parameter der Knochendichte das Risiko osteoporotischer Frakturen bestimmen kann, ist man sich in der Fachwelt nicht einig. Allerdings haben zwei weitere Metaanalysen kürzlich ebenfalls gezeigt, dass Vitamin D nicht vor Frakturen schützt.

Wie der Osteoporoseexperte Clifford Rosen vom Maine Medical Research Institute in Scarborough (USA) in einem Kommentar betont, lässt sich der Effekt von Vitamin D nur in Zusammenhang mit der Kalziumaufnahme sehen.

In der Metaanalyse waren nur in der Hälfte der Studien sowohl Vitamin-D- als auch Kalziumpräparate eingenommen worden.

Andere Studien, in denen der Effekt von beiden Supplementen gemessen wurde, hätten dagegen eine deutliche Reduktion der Hüftfrakturrate um 11 Prozent ergeben, trotz nur minimaler Verbesserung der Knochendichte.

Die aktuelle Leitlinie des Dachverbands Osteologie empfiehlt als Optimum für die Knochengesundheit die Zufuhr von 1000 mg Kalzium über die Nahrung (mehr kann dem Herzen schaden) sowie bei nicht ausreichender Sonnenlichtexposition (unter 30 min. täglich) eine Vitamin-D-Zufuhr von 800 bis 2000 IE pro Tag.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vitamin D ist kein Doping für die Knochen

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Heilung wird nicht gestört

Keine Angst vor Bisphosphonaten bei frischen Frakturen

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Lesetipps
Farbige Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule mit einem Kompressionsbruch

© ALAIN POL / Science Photo Library

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert