Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zu Krebstherapie bei Senioren

Vorsicht von der Stange ist auch keine Lösung

Ein modernes Gesundheitssystem sollte den Aufwand nicht scheuen, Therapien auch bei älteren Patienten individuell anzupassen.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Wenn über die Krebsversorgung im (höheren) Alter gesprochen und geschrieben wird, dann oft unter der latenten Prämisse, dass bei alten Menschen tendenziell therapeutische Zurückhaltung geübt werden sollte.

Schon Begriffe wie „Polymedikation“, „Gebrechlichkeit“ oder „fehlende Organreserven“ mahnen jeden vernünftigen Arzt zur Vorsicht. Natürlich zu Recht: Wer will schon, dass ein 80-Jähriger, der zu Fuß in die Sprechstunde kommt, ein paar Wochen später auf der Intensivstation liegt?

Nur hilft Vorsicht allein auch nicht immer weiter: Wer übervorsichtig ist, behandelt auch die nicht, die stark profitieren könnten. Die Berliner Onkologin Professor Diana Lüftner deutete diese Problematik beim Deutschen Krebskongress in einer Plenarsession zu Krebs im Alter in einem Nebensatz an: Dass ältere Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom viel seltener operiert werden als jüngere, liege möglicherweise nicht nur am höheren Operationsrisiko, sondern (auch) daran, dass ihnen brusterhaltende Operationen seltener angeboten werden.

Das gilt auch in anderen Bereichen: Wer schon einmal eine 75-jährige Leukämiepatienten nach Knochenmarkstransplantation aus der Klinik und kurze Zeit später auf den Golfplatz hat spazieren sehen, der tut sich schwer mit angeblich gleichwertigen, palliativen Therapiekonzepten. Gefragt bei Krebspatienten im Alter sind weder Therapien von der Stange noch Vorsicht von der Stange, stattdessen eine individualisierte Betrachtung des ganzen Patienten und des sozialen Umfelds.

So etwas kostet Zeit, und es will organisiert sein. Aber diesen Aufwand sollte ein Gesundheitssystem nicht scheuen.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

Lesen Sie dazu auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Blutbildveränderungen

Ursachenfindung der Leukozytose: Reaktiv, Infektion oder Leukämie?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Entzündung

Endokarditis-Prophylaxe: Worauf achten und bei wem?

Orthese selten nötig

Das ist bei Sprunggelenksverletzungen zu beachten

Lesetipps
Im Versorgungsalltag sollten nur zertifizierte und getestete KI-Tools verwendet werden.

© Suriyo / stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz

Ihre Schritte für den sicheren KI-Einsatz im Praxisalltag

Eine Frau sitzt auf dem Bett und hält sich eine Wärmflasche auf den Bauch.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Schmerzen verhindern

Das sind die aktuellen medikamentösen Ansätze bei Endometriose