Direkt zum Inhaltsbereich

Hartnäckiges Einnässen

War es eine Spina bifida occulta?

Eine Spina bifida occulta beeinflusst den Erfolg einer Arzneitherapie bei Kindern mit nächtlichem Einnässen.

Veröffentlicht:
Noch scheint das Bett trocken.

Noch scheint das Bett trocken.

© Alex Vasilev / fotolia.com

SEOUL. Der Erfolg einer pharmakologischen Therapie bei Kindern mit nächtlichem Einnässen wird offenbar durch eine Spina bifida occulta beeinflusst.

So ist einer südkoreanischen Studie zufolge bei den betroffenen Kindern kaum mit einem kompletten Ansprechen auf die Arzneitherapie zu rechnen. Fast zwei Drittel der Kinder in der Studie sprachen gar nicht auf die Behandlung an.

Die Spina bifida occulta, also der unvollständige Verschluss des Neuralrohrs im Lumbosakralbereich der Wirbelsäule, wurde bereits in den 1980er-Jahren in Zusammenhang mit Funktionsstörungen der unteren Harnwege und mit Enuresis gebracht.

Die Entwicklungsstörung betrifft meist die Regionen L5 und S1. Urologen aus Seoul haben den Effekt einer pharmakologischen Enuresistherapie in ihrer Studie bei 160 Kindern (53 Mädchen) im Alter zwischen fünf und 18 Jahren (im Mittel 7,8 Jahren) mit nächtlichem Einnässen geprüft.

Bei insgesamt 43 Kindern (26,9 Prozent) wurde eine Spina bifida occulta diagnostiziert: bei vier Kindern mit der Entwicklungsstörung in der Region L4, bei zwölf Kindern in der Region L5, bei 26 Kindern in der Region S1 und bei einem Kind in der Region S2.

Die Arzneitherapie wurde je nach Art der Enuresis gewählt, also ob mit oder ohne Symptome einer Blasendysfunktion am Tag. Die 127 Kinder mit monosymptomatischer Enuresis (MNE) erhielten zunächst vier Wochen lang täglich 0,2 Milligramm Desmopressin, das bei Nichtansprechen auf 0,4 mg erhöht wurde (Urology 2013; online 8. Januar).

Die 33 Kinder mit nicht monosymptomatischer Enuresis (NMNE) bekamen zunächst vier Wochen lang 0,2 mg Desmopressin plus zehn bis 20 mg Propiverin täglich.

Therapie entsprechend anpassen

Bei Nichtansprechen wurde Desmopressin auf 0,4 mg erhöht und die Propiverindosis beibehalten. Die Kinder wurden einen Monat bis 51 Monate lang therapiert (im Mittel 8,7 ± 9,29 Monate).

Die Beurteilung des Therapieerfolgs richteten die Urologen an der ICCS-Klassifikation (International Children´s Continence Society) aus. In der Gesamtgruppe der 160 Kinder lag die Rate des kompletten Ansprechens bei 36,3 Prozent (58 Kinder): Die Enuresis war verschwunden oder trat höchstens einen Monat lang auf.

Bei 28 Kindern (17,5 Prozent) wurde der Therapieerfolg als Ansprechen bewertet, also eine mindestens 90-prozentige Verringerung der Frequenz des nächtlichen Einnässens. Ein partielles Ansprechen wurde bei 40 Kindern (25 Prozent) erzielt (50- bis 90-prozentige Frequenzreduktion) erzielt. 34 Kinder (21,3 Prozent) sprachen gar nicht auf die Arzneitherapie an.

Die Wahrscheinlichkeit für ein komplettes Ansprechen auf die Therapie war in der Gruppe der Kinder ohne Spina bifida occulta signifikant höher als bei Kindern ohne die Entwicklungsstörung. Das traf sowohl für Kinder mit MNE als auch für Kinder mit NMNE zu.

So wurde zum Beispiel in der NMNE-Gruppe bei Kindern ohne Spina bifida occulta bei vier Behandelten (18,2 Prozent) ein komplettes Ansprechen erzielt, dagegen bei keinem einzigen Kind mit der Entwicklungsstörung.

Insgesamt sei ein komplettes Ansprechen auf die Arzneitherapie bei Kindern mit Spina bifida occulta in der Studie selten gewesen, weshalb es sinnvoll sei, so die Urologen, bei Kindern mit Enuresis die Entwicklungsstörung zunächst abzuklären, um die Therapie entsprechend anpassen zu können.

Unklar bleibt, weshalb der Defekt das Therapieergebnis überhaupt beeinflusst. (ple)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren