Energielos

Warum bei Dicken das Hirn hungert

Das Gehirn von schlanken und fettleibigen Personen reagiert unterschiedlich auf Energiezufuhr, so eine Studie. Und: Es gibt dabei eine Parallele zwischen Übergewichtigen und Depressiven.

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:
Schädel voller Zucker: Übergewichtige verwerten anscheinend Glukose schlechter als Normalgewichtige – und haben deshalb oft kein Sättigungsgefühl.

Schädel voller Zucker: Übergewichtige verwerten anscheinend Glukose schlechter als Normalgewichtige – und haben deshalb oft kein Sättigungsgefühl.

© Timothy Masters / stock.adobe.com

LÜBECK. Übergewichtige haben eine gestörte Energiegewinnung im Gehirn: Sie liefern viel weniger Energie aus Glukose an das Gehirn als Normalgewichtige. Zu diesem Ergebnis gelangen Forscher der Universität Lübeck nach einer Studie. Ihre Resultate haben die Psychoneurobiologen im Fachmagazin "Metabolism" publiziert (10.1016/j.metabol.2018.02.013).

Das Team gab den Probanden zuerst eine intravenöse Glukoseinfusion bis die postprandiale Glukosekonzentration im Blut sieben beziehungsweise zehn mmol pro Liter erreichte. Anschließend werteten die Wissenschaftler den Energiestatus im Gehirn aus. Die Messung des zerebralen Adenosintriphosphat- (ATP) und Phosphokreatin-Anteils (PCr) erfolgte mittels Magnetresonanz-Spektroskopie. 17 Personen mit normalem Gewicht und 13 Fettleibige nahmen an der Untersuchung teil.

Hirne reagierten unterschiedlich

Bei den Teilnehmern mit normalem Gewicht stieg der Hirnenergiegehalt nach experimenteller Zuckergabe direkt an; nicht so jedoch bei den fettleibigen Probanden. Erst als deren Glukosespiegel zehn mmol/Liter erreichte, stieg der Energiegehalt im Gehirn moderat an. Dicke verwerteten die Energie aus dem Zucker also deutlich schlechter, so dass das Hirn mit weniger ATP und PCr beliefert wurde.

Das Fazit der Lübecker Forscher: "Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass bei Übergewichtigen eine Störung der Energiegewinnung im Gehirn vorliegt", sagt Erstautorin Ewelina Wardzinski in einer Mitteilung. "Möglicherweise erklärt diese Störung den chronisch reduzierten zerebralen Energiestatus bei den Betroffenen und auch, warum Übergewichtige oft kein Sättigungsgefühl spüren", erklärt Wardzinski weiter.

Ähnlichkeit mit psychischen Krankheiten

Die Psychoneurobiologen mutmaßen in der Studie, dass bei Übergewichtigen der Glukosetransport zwischen der Blut-Hirn-Schranke nicht richtig funktioniert oder die Energiegewinnung in den Mitochondrien gestört ist.

Auch psychisch Kranke haben häufig einen erniedrigten Hirnenergiespiegel, erinnern die Forscher in einer Mitteilung: Es gebe somit eine Parallele zwischen Fettleibigen und Depressiven. Neben einer reinen Diät könnte für übergewichtige Patienten somit auch eine Verhaltenstherapie nützlich sein.

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Kommentare
Dr. Bernhard Rudy 26.04.201808:19 Uhr

Die selbstdarstellung sog. wissenschaftler

Na wunderbar, wissen wir nun auch das in Ergänzung, „Dicke haben eine verminderte Hirnleistung und leiden häufiger unter Dpressionen“ n=33, davon 13 vermutlich vorgeprägte Personen bei entsprechendem sozialem Hintergrund. Das Hintergrundsprofil wird gleich mal ausgepart. So wird heute Wissenschaft gemacht, Ausgangspunkt ist eine These/Glaube, dazu die passende Auswahl und dann die Bestätigung! -Großartig für die „Akademie“ Dabei könnte man tausende von hochintelligenten bis durchschnittlich intelligente und erfolgreiche Personen nennen, deren Bodymassindex deutlich über der Norm liegt und hervorragende Beiträge in unserer Gesellschaft liefern. Alle zeigen mit Sicherheit eine mindestens durchschnittliche Hirnleistung. Ich bin dankbar, eher zu dieser Gruppe zu gehören auch als promovierter Biochemiker. Es ist ein Dillemma vieler unter Erfolgszwang stehenden Wissenschaftler und bestätigt eher die verblendete und fokusierte Hirnleistung der Experimentatoren.

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