COVID-19

Was Abstandsregeln und Maskenschutz bewirken

Abstandsregeln, Masken und Augenschutz können das Infektionsrisiko mit dem SARS-CoV-2 auf einen Bruchteil reduzieren, belegt eine große Metaanalyse. Mit Modifikationen ließe sich die Wirksamkeit vielleicht weiter verbessern.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Je größer der Abstand, desto geringer das Infektionsrisiko.

Je größer der Abstand, desto geringer das Infektionsrisiko.

© Kzenon / stock.adobe.com

Hamilton. Das SARS-CoV-2 und seine SARS- und MERS-Geschwisterviren werden bekanntlich vor allem via Tröpfcheninfektion weitergegeben, das Ausmaß einer Infektionsgefahr über Aerosole wird diskutiert.

Ein internationales Forscherteam um den Kanadier Dr. Derek K. Chu von der McMaster University hat jetzt die bisher umfassendste Analyse zu Schutzmaßnahmen vorgelegt, und zwar zu Abstandsregeln, Gesichtsmasken und Augenschutz: 172 Beobachtungsstudien wurden analysiert (Lancet 2020; online 1. Juni).

Auf Basis von 44 Vergleichsstudien schätzten die Forscher zudem die Effektivität ein: Bei 7 Studien lag der Fokus auf COVID-19 (6674 Teilnehmer), bei 26 auf SARS (15.928) und bei 11 auf MERS (3095).

Eine Distanz von einem Meter ist nach den Angaben mit einem Infektionsrisiko von 3 Prozent assoziiert, ein geringerer Abstand mit einem Risiko von etwa 13 Prozent. Mit jedem weiteren Meter Distanz (bis 3 Meter Abstand) wurde das Risiko noch einmal halbiert.

Die Qualität der Evidenz wird von den Autoren als moderat eingestuft. Insgesamt wurden dafür Daten von neun Studien (SARS, MERS oder COVID-19) mit 7782 Teilnehmern ausgewertet.

Das Infektionsrisiko ohne den Schutz beträgt etwa 16 Prozent und lässt sich mit den Maßnahmen auf etwa 6 Prozent reduzieren. Die Evidenz hat aber nur geringe Qualität. 13 Studien mit 3713 Teilnehmern wurden analysiert, und zwar zu SARS, MERS oder COVID-19.

Tragen einer Maske war mit einem Infektionsrisiko von 3 Prozent assoziiert, im Vergleich zu 13 Prozent ohne Maske. Verglichen wurde vor allem der Gebrauch unter Haushaltskontakten oder bei Begegnungen mit anderen Kontaktpersonen.

Ausgewertet wurden zehn Studien (mit je einem der drei Viren) mit 2647 Teilnehmern. Auch hier hat die Evidenz nur geringe Qualität.

Für Ärzte und Pflegepersonal könnten teilchenfiltrierende Masken wie N95 möglicherweise einen besseren Schutz bieten als Op-Masken (etwa „gauze masks“ oder wiederverwendbare Masken mit 12-16 Lagen Baumwollstoff). Letztere seien auch für die Bevölkerung geeignet.

Die Studienautoren warnen jedoch, dass der breite Gebrauch solcher Masken zu Versorgungsengpässen bei medizinischem Personal führen könnte.

Maskentragen keine Alternative zur anderen Maßnahmen!

„Von Seiten der Politik muss sichergestellt werden, dass teilchenfiltrierende Masken, Op-Masken und Augenschutz für Mitarbeiter in der Direktversorgung von COVID-19-Patienten verfügbar sind“, betont Erstautor Chu in einer Mitteilung des Fachblatts „The Lancet“ zu der Studie: „Schutzmasken sollten auch für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.“

Den Menschen müsse jedoch auch eingeschärft werden, dass Maskentragen keine Alternative zur Abstandsregeln, Augenschutz und Basishygiene wie Händewaschen ist.

„Für Personal auf COVID-19-Stationen sollten teilchenfiltrierende Masken Standard sein“, fordert Professor Raina MacIntyre in einem Kommentar zu der Studie (Lancet 2020; online 1. Juni).

Die Expertin für biologische Sicherheit vom Kirby Institute an der University of New South Wales in Sidney betont: „Mehrschichtige Masken bieten besseren Schutz, das sollte auch bei selbst gemachten Masken berücksichtigt werden.“ Sie empfiehlt Masken mit mehreren Schichten wasserabweisenden Stoffs, die gut am Gesicht anliegen.

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