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DIVI-Kongress 2020

Was sich in den Reanimationsleitlinien ändern wird

Im Oktober wollte das European Resuscitation Council (ERC) die neuen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation veröffentlichen. Coronabedingt ist das auf kommenden März verschoben worden. Auf dem virtuellen DIVI-Kongress 2020 gab es schon mal einen Einblick.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Die Herzdruckmassage wird geübt.

Die Herzdruckmassage wird geübt: Reanimationsschulungen von Laien haben in Dänemark binnen weniger Jahre die Überlebenschancen von Betroffenen verdreifacht (Symbolbild mit Fotomodellen).

© benjaminnolte / stock.adobe.com

Köln. Bei den Basismaßnahmen der Reanimation hat es keine großen Veränderungen im Vergleich zu den im Jahr 2015 publizierten ERC-Leitlinien gegeben. Das hat Professor Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universität zu Köln, Anfang Dezember auf dem virtuell ausgetragenen 20. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) berichtet.

Drei Maßnahmen geben der Reanimation die Richtung vor. Böttiger fasste sie unter den Schlagworten Prüfen – Rufen – Drücken zusammen, im Englischen etwas griffiger als „Check – Call – Compress“ bezeichnet. Prüfen, das bedeutet zunächst festzustellen, ob ein Herz-Kreislauf-Stillstand vorliegt. Demzufolge hat die kardiopulmonale Reanimation in jedem Fall zu beginnen, wenn die betreffende Person nicht reagiert und keine normale Atmung aufweist. Rufen meint, telefonisch Hilfe zu holen. Im Idealfall geht damit eine telefonische Anleitung zur Reanimation einher, allerdings bieten in Deutschland nicht alle Rettungsleitstellen eine solche Unterweisung an. Drücken bedeutet sodann die manuelle Herzdruckmassage, die den Brustkorb um 5–6 cm eindrücken und in einer Frequenz von 100–120/min erfolgen muss.

Zusätzliche Menschenleben retten

Ziel des Deutschen Rates für Wiederbelebung ist es, jährlich 10.000 zusätzliche Menschenleben zu retten. Zu sehen ist das vor dem Hintergrund, dass pro Jahr etwa 70.000 Menschen in Deutschland im Herz-Kreislauf-Stillstand sterben. Als Todesursache rangiert der Herz-Kreislauf-Stillstand damit auf Rang 3. „Mehr als alles andere helfen dagegen zwei Hände“, betont Böttiger, eben jene, die man zum Drücken benötigt.

Denn bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergehen in Deutschland durchschnittlich neun Minuten. Doch ohne suffiziente Durchblutung überlebt das Gehirn nur drei bis fünf Minuten. Laienreanimation hingegen steigert die Überlebenschancen um den Faktor 3.

Als Beispiel verweist Böttiger auf Dänemark, wo es in einem Zeitraum von zehn Jahren gelungen ist, die Quote der Laienreanimation bei prähospitalem Herz-Kreislauf-Stillstand von 20 auf fast 50 Prozent zu steigern. Mittlerweile liegt die Rate dort bei über 70 Prozent; in Deutschland sind es 40 Prozent.

Wesentlichen Anteil am dänischen Erfolg hatte die Einführung von Unterricht im Reanimieren an den Schulen des Landes. Das alles hatte zur Folge, dass dreimal so viele Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebten wie vor Beginn der Initiative. „Das ist mehr als alles, was wir in der Klinik schaffen können“, so Böttiger. In den neuen Leitlinien wurde daher eigens ein Kapitel aufgenommen, das den Titel „Kids save lives“ trägt.

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