Weiter Diskussion um Therapiepausen

FRANKFURT/MAIN (gvg). Therapiepausen in der antiretroviralen Therapie gelten seit der SMART-Studie als problematisch. Für einige Patienten können sie trotzdem sinnvoll sein - aber nur, wenn sie rechtzeitig wieder beendet werden.

Veröffentlicht:

"Die SMART-Studie hat gezeigt, dass Therapiepausen tendenziell keine geeignete Strategie für HIV-Infizierte sind", betonte Professor Frank Goebel von der LMU München. In der Untersuchung waren über 5000 HIV-Infizierte entweder mit konventioneller antiretroviraler Therapie behandelt worden oder aber mit einem Schema, bei dem Therapiepausen gemacht wurden, sobald bei den Patienten mehr als 350 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut vorlagen.

Gestartet wurde die Therapie wieder, wenn die CD4-Zell-Zahl unter 250 Zellen pro Mikroliter sank. Die Ergebnisse waren für die Patienten in der Pausen-Gruppe so ungünstig, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde.

Trotzdem dürfe das Thema Therapiepause nicht einfach vom Tisch gewischt werden, sagte Dr. Hans Jäger aus München. "Wenn wir die Zahlen aus dem Kompetenznetz HIV hoch-rechnen, dürften im Moment in Deutschland 1500 bis 2000 HIV-Infizierte in einer Therapiepause sein", so der niedergelassene HIV-Experte. In vielen Fällen geschehe das auf ausdrücklichen Patientenwunsch hin. Ärzte brauchen deswegen Strategien, mit Therapiepausen praktisch umzugehen, auch wenn sie die Pausen nicht von sich aus empfehlen.

Günstig sei es wahrscheinlich, die Grenzwerte für den erneuten Beginn einer antiretroviralen Therapie nach einer Pause großzügig zu wählen, so Jäger. So hatten Patienten mit Therapiepause in der im Jahr 2006 publizierten BASTA-Studie weniger schwere Ereignisse (HIV-assoziierte Ereignisse und unerwünschte Wirkungen) als bei kontinuierlicher Therapie - ein Widerspruch zur SMART-Studie. Der Grund könnten andere Grenzwerte sein: In der BASTA-Studie wurde erst dann pausiert, wenn die CD4-Zell-Zahl oberhalb von 800 Zellen pro Mikroliter Blut lag, und schon bei weniger als 400 Zellen wurde wieder begonnen.

"Es scheint so zu sein, dass Therapiepausen einigermaßen sicher sind, wenn die antiretrovirale Therapie spätestens bei 350 CD4-Zellen pro Mikroliter wieder begonnen wird", so Jägers Faustregel für die Praxis. Wichtig: Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass eine Therapiepause in jedem Fall ihre Infektiosität erhöht. Denn: "Die Viruskonzentration steigt in der Therapiepause immer an."

Lesen Sie dazu auch: HIV-Patienten fühlen sich noch diskriminiert Aids-Preis für Entdeckung bei HI-Viren Forschungspreis für Heidelberger Wissenschaftler Infektionen mit Herpes simplex fördern HIV-Neuinfektionen Bevölkerung in Deutschland weiß viel zu HIV

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen