Hintergrund

Welt-Asthma-Tag: Experten fordern strukturierte Patientenschulung

Die Versorgung der Asthma-Patienten in Deutschland lässt immer noch einiges zu wünschen übrig. Experten plädieren für eine stärkere Nutzung der strukturierten Patientenschulung gemäß dem Motto des heutigen Welt-Asthma-Tages "You Can Control Your Asthma".

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:

Von einer leitliniengerechten Asthmatherapie sind viele Betroffene in Deutschland aktuellen Studiendaten zufolge noch weit entfernt. Epidemiologen, Pneumologen und die KV Bayerns haben die Versorgung von Asthmatikern zwischen April 2005 und März 2006 untersucht (Allergy 2010; 65: 347).

Danach erhielten in dieser Zeit nahezu 40 Prozent der Betroffenen keine Asthma-Medikation. Und von denjenigen, die Medikamente erhielten, bekamen die meisten diese für höchstens drei Monate.

Verwendet wurden überwiegend kurz- und lang-wirksame Beta-2-Mimetika und weniger die in Leitlinien zur Langzeitkontrolle von Asthma primär empfohlenen inhalativen Kortikosteroide.

"Die KV-Daten bestätigen meinen Eindruck, dass die inhalativen Kortikosteroide (ICS) bei Asthma immer noch zu selten eingesetzt werden, auch von den Patienten selbst", sagte Professor Heinrich Worth vom Klinikum Fürth zur "Ärzte Zeitung".

Selbst wenn die Patienten ein ICS verordnet bekommen, lassen sie es oft weg. Das hat für den Vorsitzenden der Deutschen Atemwegsliga im wesentlichen zwei Gründe: die Patienten spüren die Wirkung der ICS nicht sofort.

Und außerdem herrscht in Deutschland immer noch eine gewisse Kortisonangst, die häufig geschürt wird durch Medienberichte über unerwünschte Wirkungen. Solche Effekte treten aber im Prinzip nur bei langfristiger Anwendung von höher dosiertem Kortison in Tablettenform auf.

Um die Patienten vom Nutzen der ICS zu überzeugen und ihnen die Angst vor dieser Therapie zu nehmen, hält Worth die strukturierte Patientenschulung für sehr wichtig.

Und noch etwas trägt zum langfristigen Erfolg der Asthmatherapie bei: Das Intensivieren und Lockern der medikamentösen Therapie je nach individuellem Verlauf der Erkrankung. "Wir sollten die Patienten nicht mehr je nach aktuellem Beschwerdebild langfristig auf eine bestimmte Therapiestufe festlegen", so Worth.

Sobald die Krankheit nicht mehr ausreichend kontrolliert ist, sollte die Behandlung intensiviert werden. Kontrolliertes Asthma liegt vor, wenn die Patienten tagsüber höchstens zweimal pro Woche und nachts keine Symptome haben, die körperliche Belastbarkeit nicht eingeschränkt ist, höchstens zweimal pro Woche eine Bedarfsmedikation (rasch wirksame Beta-2-Mimetika) nötig ist, die Lungenfunktion normal ist und keine Exazerbationen auftreten.

Richtig zu inhalieren will gelernt sein.

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© Katarzyna Leszczynsk / fotolia.com

Uneins sind sich die Experten derzeit über das richtige Vorgehen bei Patienten in Therapiestufe 3, also bei Patienten mit persistierendem Asthma, bei denen eine Dauertherapie mit niedrig dosiertem ICS nicht ausreicht. Sollte das ICS höher dosiert werden, oder sollte das ICS mit einem lang-wirksamen Beta-2-Mimetikum (LABA) kombiniert werden?

Die internationale GINA-Leitlinie wie auch die gemeinsame Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) empfehlen, dass auf Stufe 3 bevorzugt eine Kombi mit niedrig dosiertem ICS plus LABA eingesetzt werden sollte.

Bis vor kurzem war das auch der Konsens bei der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL). Jetzt lautet der Rat: Es soll bevorzugt mit ICS in mittlerer Dosis behandelt werden und alternativ mit ICS plus LABA.

Grund für den Sinneswandel ist nach Angaben von Worth eine Stellungnahme der US- Arzneimittelbehörde FDA. Diese habe ältere, angreifbare Studiendaten neu bewertet, wonach unter Monotherapie mit dem LABA Salmeterol etwas mehr Todesfälle aufgetreten waren als ohne diese Therapie.

Daher empfahl die FDA aus Vorsichtsgründen, LABA möglichst abzusetzen, sobald eine gute Asthmakontrolle erreicht ist.

Und LABA sollen nicht ohne gleichzeitige Anwendung von ICS eingesetzt werden. Worth: "Erstens haben wir in Deutschland immer schon gesagt, dass man LABA und ICS kombinieren muss.

Und außerdem hat die FDA ihre Stellungnahme inzwischen wieder abgeschwächt. Aber aus Sicherheitsgründen plädieren die meisten Autoren der NVL-Leitlinie dennoch bevorzugt für eine mittelhochdosierte ICS-Therapie und alternativ für ICS niedrig dosiert plus LABA. Sie haben sich somit für mehr Sicherheit, aber weniger Effektivität entschieden."

Die jetzige Situation liefert für Worth wieder gute Argumente für die Anwendung von Fixkombinationen mit ICS plus LABA. Hierbei könne man sicher sein, dass die Patienten das ICS nicht weglassen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kontrolliertes Asthma reelles Ziel

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