Sachsen-Anhalt

Haseloff fordert neue Klinik-Strukturen

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff mahnt auf dem Neujahrsempfang der Heilberufler ein Ende der Standort-Konkurrenz an.

Veröffentlicht: 17.01.2020, 16:37 Uhr

Magdeburg. Politiker und Mediziner eint das Ziel, die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt zu sichern. Doch am „Wie?“ scheiden sich oft die Geister.

„Die Menschen würden uns nicht verzeihen, wenn die medizinische Versorgung nicht mehr funktioniert. Dann haben wir unser Amt nicht verstanden. Und deshalb sind heute so viele Politiker bei ihnen“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zur Begrüßung beim Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts.

Dennoch wehrte er sich gegen den Vorwurf von Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz, die Krankenhäuser wegen des auf 1,5 Milliarden Euro gestiegenen Investitionsdefizits in eine Schieflage gebracht zu haben.

Es gebe durchaus Kliniken mit wirtschaftlichen Problemen, denen enorme Investitionsmittel zur Verfügung gestellt worden seien.

Klar definierte Schwerpunkte gefordert

Haseloff, der an den drei Säulen der Klinikstruktur – kommunal, privat, konfessionell – festhalten will, stellte die Frage: Warum kommen oft zuerst kommunale Häuser in Schwierigkeiten? Er forderte neue Strukturen, Holding-Gründungen und klar definierte Schwerpunkte. Die Konkurrenz zwischen den Standorten nannte er „Kannibalismus‘, den es nicht mehr geben dürfte.

In Bezug auf eine weitere Privatisierung von Kliniken hielt sich Haseloff in puncto des insolventen und (noch) kommunalen Burgenlandkreisklinikums bedeckt. Heinemann-Meerz hatte davor gewarnt, weiteres Tafelsilber zu verscherbeln und auf die Konflikte innerhalb der AMEOS-Kliniken aufmerksam gemacht (die Gruppe hat ein hoch dotiertes Kaufangebot abgegeben).

„Gerade AMEOS wehrt sich mit finsteren Methoden gegen Tarifverträge“, so Heinemann-Meerz. Sie forderte auch in puncto Wirtschaftsförderung mehr Engagement von der Landespolitik.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass Sachsen-Anhalt zu den wenigen Bundesländern gehöre, die nicht Teil der Exzellenzstrategie des Bundes sind, die Spitzenforschung an deutschen Universitäten unterstützen soll. An fehlenden exzellenten Wissenschaftlern im Land jedenfalls könne das nicht liegen.

Mehr medizinische Studienplätze gefordert

Weil auch die jüngst beschlossene Landarztquote allein den Ärztemangel nicht auflösen könne, forderte KVSA-Vorstand Dr. Burkhard John mehr medizinische Studienplätze für Sachsen-Anhalt. Laut neuer Bedarfsplanung, die die Morbidität berücksichtigt, fehlten dem Land bereits heute fast 300 Hausärzte.

Mit Blick auf das Weltgeschehen mahnte John generell mehr persönliche Verantwortung an. Er zitierte den irisch-britischen Schriftsteller Edmund Burke, der bereits im 18. Jahrhundert darauf verwiesen hatte: „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ (zie)

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