Umstrittene Entscheidung

Kein Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie – Sachsens Kammer in der Kritik

Schlechtere Perspektiven für junge Ärztinnen und Ärzte, Nachteile für Kliniken. Die Landesärztekammer vergrätzt Internisten und Infektiologen.

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Manche Ärzte ziehen bereits einen Standortwechsel in Erwägung: Professor Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektiologie und Tropenmedizin am Department für Innere Medizin des Uniklinikums Leipzig, hadert mit der Entscheidung der LÄK Sachsen.

Manche Ärzte ziehen bereits einen Standortwechsel in Erwägung: Professor Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektiologie und Tropenmedizin am Department für Innere Medizin des Uniklinikums Leipzig, hadert mit der Entscheidung der LÄK Sachsen.

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch

Dresden. Mehrere Fachverbände kritisieren die Entscheidung der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK), in Sachsen keinen Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie einzuführen. Dies sei ein Rückschlag für die Infektionsmedizin im Freistaat, verschlechtere hier die beruflichen Perspektiven junger Ärztinnen und Ärzte und ziehe für die Kliniken in Sachsen zudem finanziell Nachteile nach sich, teilten die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten am Dienstag mit.

„Wir rufen die SLÄK dazu auf, ihren aktuellen Beschluss zu revidieren und eine zukunftsfähige und bedarfsgerechte Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten in Sachsen zu sichern“, forderte der DGIM-Vorsitzende, Professor Ulf Müller-Ladner. Die Kammerversammlung der SLÄK hatte in der vergangenen Woche einen Antrag auf Einführung eines Facharztes für Innere Medizin und Infektiologie abgelehnt.

Nur Brandenburg mit Sachsen auf einer Linie

Die Kammer in Sachsen sei neben jener in Brandenburg die einzige Landesärztekammer, die die Spezialisierung auf Facharztniveau für Infektiologinnen und Infektiologen zurückweise. 2021 hatte der Deutsche Ärztetag die Einführung der Facharztweiterbildung „Innere Medizin und Infektiologie“ in ganz Deutschland beschlossen.

„Wir befürchten, dass junge Ärztinnen und Ärzte, die sich für Infektionsmedizin interessieren, Sachsen und Brandenburg eher meiden werden und ein Bundesland wählen, in dem sie eine anerkannte Ausbildung erhalten können“, sagte Dr. Anahita Fathi, Sprecherin der AG Junge DGIM, die am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in der Sektion Infektiologie der I. Medizinischen Klinik tätig ist. Professor Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektiologie und Tropenmedizin am Department für Innere Medizin des Universitätsklinikums Leipzig, bestätigte diese Befürchtung. Bei ihm hätten sich bereits Ärztinnen und Ärzte gemeldet, die sich Sorgen machten, ob sie ihre infektiologische Facharztweiterbildung in Sachsen fortsetzen könnten. Sie zögen bereits einen Standortwechsel in Erwägung.

Darüber hinaus bereite die Kammer mit ihrer Entscheidung den Kliniken finanzielle Nachteile. „Ohne Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie bleiben den sächsischen Krankenhäusern umfangreiche Fördergelder, die eigentlich ab 1. Januar 2023 für die nächsten drei Jahre vorgesehen waren, versperrt“, sagte Professor Bernd Salzberger, Vorsitzender der DGI. (sve)

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