Direkt zum Inhaltsbereich

Neues Versorgungsangebot

Mobile Ambulanz: Post-COVID-Bus rollt durch Thüringen

Zwei Jahre lang wird der Post-COVID-Bus mit einem fünfköpfigen Team quer durch Thüringen fahren. Hausärzte sollen die Vermittlung von Patienten an die mobile Ambulanz übernehmen.

Veröffentlicht:
Der Patient Hans-Dieter Fuchs und die Neuropsychologin Valeska Kozik im Medibus bei einer Pressekonferenz zum Start der fahrenden Long COVID-Ambulanz „Watch“ der Universitätsklinik Jena.

Der Patient Hans-Dieter Fuchs und die Neuropsychologin Valeska Kozik im Medibus bei einer Pressekonferenz zum Start der fahrenden Long COVID-Ambulanz „Watch“ der Universitätsklinik Jena.

© Bodo Schackow / dpa

Jena. Auf der Suche nach mehr Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit COVID-19-Langzeitfolgen geht das Universitätsklinikum Jena einen neuen Weg. In der kommenden Woche schickt es erstmals einen Post-COVID-Bus auf Tour durch Thüringen.

Mit einem fünfköpfigen medizinischen Team an Bord und ausgerüstet mit Geräten für Lungenfunktions-, Konzentrations- und Gedächtnistests ist die rollende Ambulanz Herzstück des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekts WATCH (Mobile WohnortnAhe Versorgung zur Steuerung der sektorübergreifenden Therapie bei Post-COVID-19 in THüringen), in dem das Klinikum die Betreuung von Post-COVID-Patienten vor Ort mit Telemedizin kombinieren will. Das Projekt wird aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 5,8 Millionen Euro finanziert.

„Wenn die Patienten nicht zu uns kommen können, müssen wir zu den Patienten kommen“, sagte Projektleiter Professor Andreas Stallmach bei der Vorstellung am Donnerstag. Stallmach ist Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Jenaer Uniklinikum und leitet das dortige Post-COVID-Zentrum, auf dessen Warteliste für einen Termin inzwischen rund 700 Betroffene stehen. Täglich kämen drei bis vier Neuanmeldungen hinzu, sagte er.

Bus hält an zentralen Plätzen in Kommunen

Teilweise lebten die Erkrankten bis zu 300 Kilometer von Jena entfernt und seien zu geschwächt, um den beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen. Eine Studie des Klinikums mit 1.022 Erkrankten hatte kürzlich ergeben, dass ein Fünftel der Betroffenen mehr als ein Jahr nach einer Corona-Infektion an der Erschöpfungserkrankung ME/CFS litt. Zu den Corona-Langzeitfolgen gehören auch erhebliche Konzentrationsstörungen und hartnäckige Atembeschwerden.

Der Post-COVID-Bus soll über einen Zeitraum von zwei Jahren durch Thüringen fahren. Ähnlich wie die Mammografie-Mobile beim Brustkrebs-Screening steht er an zentralen Plätzen in den jeweiligen Kommunen, durchschnittlich eine Woche lang. Die Patienten erhalten dort eine Einweisung für die Videosprechstunde und ein zwölfwöchiges Behandlungsprogramm mit Rehasport, Gedächtnistraining und verhaltenstherapeutischen Übungen, das sie digital über eine App abrufen können.

Absolvieren sollen sie die Übungen eigenständig zu Hause. Täglich sollen vorerst sechs Patienten untersucht und in das Übungsprogramm eingewiesen werden, wie die zum Bus-Team gehörende Ärztin Dr. Katrin Katzer sagte.

Ergebnisse der Studie im Sommer 2026

Die Studie ist auf insgesamt 680 Patienten ausgelegt. Die Hälfte erhält Stallmach zufolge das Behandlungsprogramm nach der ersten Vorstellung im Post-COVID-Bus, bei der zweiten Gruppe setzt es erst nach drei Monaten ein. Anschließend werden die Ergebnisse beider Gruppen verglichen. Ergebnisse der Studie sollen im Sommer 2026 vorliegen.

Die Vermittlung von Patienten an die mobile Ambulanz übernehmen die Hausärzte. „Wir merken als Hausärzte, dass viele Patienten mit der Frage kommen, ob sie Post-COVID haben“, sagte die Vorsitzende der KV Thüringen, Dr. Annette Rommel, die selbst eine Hausarztpraxis betreibt.

Aus ihrer Sicht ist an dem WATCH-Projekt wichtig, dass die Erkrankten bei dem Behandlungsprogramm auch selbst aktiv werden müssen. „Sie werden gefordert und das ist gut.“ Projektleiter Stallmach erwartet aus der Resonanz darauf auch Erkenntnisse dazu, „wie gut die Akzeptanz für telemedizinische Angebote ist“. Denn nicht nur bei Post-COVID könne die Kombination aus Vor-Ort-Betreuung im Bus und Telemedizin ein Modell sein, sondern auch bei anderen Erkrankungen. (zei)

Mehr zum Thema

Zwei Arbeitsplätze geschaffen

Thüringen knüpft flächendeckendes Telenotarzt-Netz

Facharzttermine

Tausende TSS-Termine in Thüringen nicht gebucht

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung

Symposium der Paul-Martini-Stiftung

COVID-19 akut: Früher Therapiestart effektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren