Kommentar zu Corona-Autopsien

Obduktionen aufwerten – Nicht nur wegen COVID-19

Autopsieforschung braucht Zeit – dafür ist das, was am Ende rauskommt, oft deutlich relevanter als irgendwelche Korrelationen, die schnell ermittelt werden können.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Forschung muss vorangehen! – dieser Schlachtruf war in den ersten Monaten der COVID-19-Pandemie häufig zu hören. Tatsächlich ist das allenfalls so halb richtig. Natürlich können Sequenzierungsroboter aus Rachenabstrichen heute sehr schnell eine bestimmte Art von Wissen generieren.

Es gibt aber auch andere Forschung, die etwas mehr Zeit braucht und die deswegen nicht so sichtbar „vorangeht“. Dafür ist das, was am Ende rauskommt, oft relevanter als irgendwelche Korrelationen, die schnell ermittelt und schnell publiziert werden können. Die Autopsieforschung an größeren COVID-19-Kohorten ist dafür ein gutes Beispiel. Das geht nicht über Nacht. Wer hier forscht, sucht keine Abkürzungen auf der Karriereleiter. Aber dafür stehen am Ende klare Aussagen über Pathomechanismen, Todesursachen und Ausbreitungswege des Virus im Körper.

Es ist deswegen schon ein wenig traurig: Zwar steht unendlich viel Geld für molekularbiologische Diagnostik und Omics-Forschung zur Verfügung. Gleichzeitig haben es Krankenhäuser aber extrem schwer, Autopsien zu finanzieren, aus denen Ärzte nicht nur lernen können, sondern auf denen aufbauend sich auch forschen lässt. Das Krankenhausstrukturgesetz von 2015 wollte das ändern, allein die dort angelegten Regelungen greifen nicht, weil die Obduktionsvereinbarungen der Spitzenverbände eher Obduktionsverhinderungsvereinbarungen sind. Zeit, da nochmal ranzugehen.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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