Corona-Splitter der KW 30/2021

Zweite Dosis AstraZeneca-Impfstoff: Wohl keine erhöhte TTS-Inzidenz

Neues zur Sicherheit von Vaxzevria®: Zumindest nach Applikation der zweiten Dosis der Vakzine soll die Inzidenz von Thrombosen mit Thrombozyptopenie-Syndrom nicht erhöht sein, meldet der Hersteller.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Der Corona-Impfstoff Vaxzevria, hier noch unter dem alten Namen zu sehen, war Anfang des Jahres wegen möglicher Komplikationen in die Schlagzeilen geraten.

Der Corona-Impfstoff Vaxzevria®, hier noch unter dem alten Namen zu sehen, war Anfang des Jahres wegen möglicher Komplikationen in die Schlagzeilen geraten.

© Mauro Ujetto / NurPhoto / picture alliance

Update vom 30. Juli

Vaxzevria® ist offenbar nicht mit einer erhöhten Inzidenz von Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom nach der zweiten Dosis assoziiert: Nach einer Studie von Mitarbeitern des Herstellers AstraZeneca soll die Inzidenzrate nach der zweiten Dosis ähnlich der bei ungeimpften Personen sein: 8,1 pro Million Geimpfter nach der ersten Dosis, 2,3 pro Million Geimpfter nach der zweiten Dosis. Für die Studie waren alle weltweit gemeldeten unerwünschten Ereignisse aus der Real-World-Anwendung der Vakzine in der globalen Sicherheitsdatenbank von AstraZeneca bis zum 30. April 2021 ausgewertet worden. Demzufolge sind weltweit 399 Fälle von Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach der ersten Impfdosis und 13 Fälle von TTS nach der zweiten Dosis dokumentiert. Um den „Worst Case“-Fall der Inzidenz zu berücksichtigen, hatten die Wissenschaftler die weltweit gemeldeten TTS-Fälle ins Verhältnis mit den 49,2 Millionen ersten Dosen und 5,6 Millionen zweiten Dosen gesetzt, die in Europa verimpft worden waren. Übrigens: Die weltweit dokumentierten Komplikationen traten zwischen einem und 13 Tagen nach der Impfung auf, die Impflinge waren zwischen 45 und 85 Jahre alt, acht waren Frauen (Lancet 2021; online 27. Juli).

Update vom 29. Juli

Freiburger Forscher unterstreichen Bedeutung der zweiten Impfdosis: CD8+-T-Zellen, die auf das virale Spike-Protein zugeschnitten sind, verhindern bereits zehn Tage nach der ersten Impfdosis mit Comirnaty® effektiv einen schweren Krankheitsverlauf. Neutralisierende Antikörper sind zu diesem Zeitpunkt aber noch kaum nachzuweisen. Erst nach der zweiten Impfdosis sind diese deutlich stärker vertreten und etablieren einen verlässlichen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie der Uniklinik Freiburg mit 32 Impflingen (Nature 2021; online 28. Juli).

Update vom 28. Juli

Die beiden Vakzinen Comirnaty® und Vaxzevria® sind offenbar ähnlich sicher in der Anwendung in puncto Thromboembolie und Thrombozytopenie. Außerdem ist das Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE) als Folge einer Infektion mit SARS-CoV-2 achtfach höher als nach einer Impfung, das Risiko für eine Thrombozytopenie durch Infektion 3,5-fach höher als durch Impfung. Das sind die Ergebnisse einer Preprint-Studie spanischer Forscher, die die Raten von VTE und Thrombozytopenie unter Impflingen verglichen haben, die die Vakzinen Comirnaty® vom Unternehmen BioNTech oder Vaxzevria® vom Unternehmen AstraZeneca erhalten hatten. Dazu werteten sie Daten von insgesamt 945.941 Comirnaty®-Impflingen (davon 778.534 mit zwei Impfdosen), 426.272 Impflingen mit der ersten Dosis Vaxzevria®, 222.710 Patienten mit COVID-19 und 4.570.149 Kontrollpersonen aus. Ergebnisse: Das standardisierte Inzidenzverhältnis (Standardized Incidence Ratio [SIR]) für VTE betrug 1,29 nach der ersten Comirnaty®-Dosis, 0,9 nach der zweiten, 1,15 nach der ersten Vaxzevria®-Dosis und 8,04 für eine VTE infolge einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das SIR für eine Thrombozytopenie betrug 1,35 und 1,19 nach der ersten beziehungsweise zweiten Dosis Comirnaty®, 1,03 nach der ersten Dosis Vaxzevria® und 3,52 für eine Thrombozytopenie als Folge einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Preprints with The Lancet 2021; online 20. Juli).

Update vom 27. Juli

Einfluss des Alters auf die Effektivität der Corona-Impfung: Die Menge der neutralisierenden Antikörper, die der Körper nach einer Impfung produziert, ist signifikant mit dem Alter assoziiert. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie mit 50 Impflingen aus Oregon: Zwischen den acht jüngsten Impflingen (20 bis 29 Jahre) und den neun ältesten (70 bis 82 Jahre) gab es einen 85-prozentigen Abfall der medianen Antikörper-Titer gegen den SARS-CoV-2-Wildtyp und einen 60-prozentigen Abfall gegen die Gamma-Variante. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die reduzierte Vakzin-Effektivität bei älteren Personen bedacht werden sollte, wenn es demnächst an die Planung von Booster-Impfungen geht (JAMA, online 21. Juli).

Update vom 26. Juli

Impflinge, die eine erste Dosis der mRNA-Vakzinen Comirnaty® oder Spikevax® erhalten haben und danach eine allergische Reaktion hatten, vertragen die zweite Dosis in der Regel gut. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie mit 159 US-Patienten, die nach der ersten Dosis von einer unmittelbar eintretenden allergischen Reaktion berichtet und deswegen einen Arzt aufgesucht hatten. Von den 159 Patienten berichteten nach der zweiten Dosis lediglich 32 (20 Prozent) von milden, vorübergehenden Symptomen. Bei 47 Patienten (30 Prozent) war vor der zweiten Dosis eine Antihistamin-Prämedikation verabreicht worden. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Entweder waren wohl nicht alle der berichteten Reaktionen nach der ersten Dosis tatsächlich von allergischer Natur oder die Reaktionen lassen sich nicht auf einen Immunglobulin-E-vermittelten Mechanismus zurückführen und können deshalb mit einer Prämedikation reduziert werden (JAMA Intern Med 2021; online 26. Juli).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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